(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Milton's Letters of state [microform]"

MASTER 
NEGA TIVE 

-81263 





MICROFILMED 1993 
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



as part of the 
"Foundations of Western Civilization Preservation Project" 



Funded by the 
NATIONAL ENDOWMENT FOR THE HUMANITIES 



Reproductions may not be made without permission from 

Columbia University Library 



COPYFHGHT STATEMENT 



The copyright law of the United States - Title 17, United 
States Code - concerns the making of photocopies or 
other reproductions of copyrighted material. 

Under certain conditions specified in the law, libraries and 
archives are authorized to furnish a photocopy or other 
reproduction. One of these specified conditions is that the 
photocopy or other reproduction is not to be "used for any 
purpose other than private study, scholarship, or 
research." If a user makes a request for, or later uses, a 
photocopy or reproduction for purposes in excess of "fair 
use," that user may be liable for copyright infringement. 

This institution reserves the right to refuse to accept a 
copy order if, in its judgement, fulfillment of the order 
would involve violation of the copyright law. 



AUTHOR: 




J 





TITLE: 




STATE ... 

PLACE: 

HAMBURG 

DA TE : 

[1 903] 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 



Master Negative # 



P*P*^*^^*^A* ***^ J^^V'J^^J^ lAJx\jtd»i 



Original Material as Filmed - Existing Bibliographic Record 



942.064 
M642 



Fernow, H[ans Ettttftrdj 

Milton's Lotions of state. Von Trof. Dr. H. Fornow ... 
Ilainbui- Lntcke & ^Vulir (]yo;^j 

cover-title, 51 p. ZV"", 
dcm Holslcntorc zu rianibiirg. Ostcrii 190J. nr. 8J7. '•*'*^**'=»'-""'c vor 



Restrictions on Use: 



ril.m--. . ;■ (*. •• -. 



FILM SIZE: 



li 



'am. 



TECHNICAL MICROFORM DATA 



REDUCTION RATIO: 



//^ 



IMAGE PLACEMENT: L\ dfil IB IIB 

DATE FILMED: ^'^S ^f > INITIALS 

FILMED BY: RESEARCH FUBUCATIONS. INC WOODBrTdGE. 



rL^Si. 



BIBLIOGRAPHIC IRREGULARITIES 



MAIN n 

ENTRY! n?Ynou^; hanS 



Bibliographic Irregularities in the Original Document 
List volumes and pages affected; include name of institution if filming borrowed text. 

1 

Page(s) missing/ not available: 



yolumes(s) missing/not available:. 



Illegible and/or damaged page(s):. 



.Page(s) or volumes(s) misnumbered:. 



Bound out of sequence:. 



Page(s) or illustration(s) filmed from copy borrowed tom: K)i)\\fe>(Si^(j ^ 



Other: 




IN WHOLE 
OR PART FROM A 

COPY B ORRO WED 





OF MICHIGAN 






.•>2i 




^^.3 





c 




Association for information and Imago Management 

1100 Wayne Avenue. Suite 1100_ 
Silver Spring, Maryland 20910 

301/587-8202 




Centimeter 



1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 

MllllllliMMIIIIIilllllllllilMllllllllillllMlllllllimllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllMilllMMIIillllllM 



rn 



Inches 



1 



T 



TTJ 



.0 



I.I 



1.25 



IMllilUilUUiil 



i 1 I I I 



■ 6.3 

■ •A 



m 



3.2 



3.6 

4.0 



1.4 



2.5 
2.2 



2.0 



1.8 



1.6 



T 



15 mm 



lU 







MRNUFfiCTURED TO fillM STRNDRRDS 
BY RPPLIED IMRGE. INC. 




<i^ 




^A. 

.^^ ^ 




.^.. _ . . 




<2) 



4 



a;»^-••^■.•.i•»r>•• 



■d^^ 






Srf»i.t""„rtV4 









r, 
1: 

1 


1 


^sHB 











i 



ii 







i 


^ 





P^^^OU^ 



"^(o^Zl 



Colttmina IHnftiencttp 

in tibe Citp of ^to Horfc 



LIBRARY 




' i i t iu J . aa " **__ii 



\ 



; 





4II||M 



\ 



MILTON'S LEHERS OF STATE. 



VON 



Prof Dr H. FERNOW. 



WISSENSCHAKTLICHE BEILAGE ZUM JAHRESBERICHT DER 
OBERREALSCHIJI.EVOR DEM HOLSTENTORE ZU HAMBURG. 

OSTERN 1905. 

NK. 837. 






HAMBURG. 

OEDBUCKT BEI LUTCKB i WULFF. EINES HOHEN SENHTES. WIE AUCH DES JOBANNEUMS BUCHDRUCKERN. 



7 a// 



'"V --^j 



Vorwort. 






1^1 



L \ 



Milton's Staatsbriefe gehoreu zu den Quellenschriften fur eine 
der bedeutendsten Perioden der englischen Geschichte, und sie 
erganzen in hervorragender Weise sein literarisches und politisches 
Charakterbild. Irotz dieser doppelteii Bedeutung ist unsere Kenntnis 
derselben bis jetzt noch luckenhaft geblieben. Zwar hat Mass on 
in seinem vielbandigen Werke The Life of Milton in Connexion 
with the History of his Time (liondon, 1881 u. fgde) auch die Staats- 
briefe eingehend beriicksichtigt. iudem er sie zum ersten Male 
chronologiscb geordnet, mit liistorischeni Komnientar versehen und 
so, freilich nur in Auszugen und Ubersetzungen, seiner grofien Bio- 
grapbie als organischen Bestandteil einverleibt bat. Daneben aber 
bleibt das Bedllrfnis einer kritiscben Neuausgabe der lateinischen 
Originale nach wie vor bestehen. 

Die vorliegende Skizze soil eine Vorarbeit zu einer solcben 
Ausgabe sein. Sie bietet das bei Masson aut drei Bande (IV — VI) 
verteilte Material in ubersiclitlicher Gruppierung. mit gelegentlicben 
Bericbtigungen unter dem Text. Der Komnientar des 3. Abscbnitts 
stiitzt sich aulierdem auf die einschlagigen Werke von (iar diner 
und Pliilippson. Ein Gesamtbild der engliscben auswartigen Politik 
dieser Periode zu entwerfen. lag mir fern; mein Hauptzweck war 
vielmebr, eine mogbclist vollstandige Inhaltsubersicht der Briefe zu 
geben und durch die verbindende Darstellung auch das nicht fach- 
wissenschaftliche Publikum tiber den Zusammenhang der Briefe unter 
einander und mit den grofieren oder kleineren Zeitereignissen in 
geeigneter Weise zu orientieren. Ebensowenig koimte ich mich auf 
eine eingehende literarische und sprachliche Wiirdigung der Briefe 
einlassen. 



O. R. V. d. Holstentore l»oa. 



Der vollstaiidige kritische Apparat iiebst Einzelkomnieiitar uiid 
Eegister kanu erst mit Ausgabe der Briefe selbst erfolgeii Um 
aber die Benutzuiig zii erleichterii, liabe ich in den Anmerkungen 
fortlautende Hniweise anf Masson (abgek. : M.) nnd vor diesen auf 
die bauptsachhchen Fundstellen in den Calendars of State Papers, 
Domestic Series, fiir die betreffenden Jalire, (abgek.: (\ 8. P.) gegeben. 
Vott dem J. 1654 fehlen die letzteren, weii infolge Tlmrloe's ver- 
anderter und vereiuiachter Gescliaft«iulirung die Briefauftriige nicht 
mehr regelmafiig ;in die Protokolle des Staatsrats eingetragen wurdeii. 
Bie den einzelnen Perioden vorgedruckte Zahl der Briefe 
umfaSt zugleich die am SchluS des 3. Abschnitts zusammengestellten 
Bnele von nntergeordneter Bedeutung. Es sind ini ganzen 150 
Nummern. 

In den Anmerkungen und den Uberscliriften liabe ich die Form 
der englischen Datierung beibehalten. Das englische Geschaftsjahr 
begann am 25. Marz (Maria Verkiindigung). Daher sind die Jahre 
doppelt bezeicbnet vom 1. Januar bis zu diesem Tage. Der Julianische 
Kalender gait in England bis zum Jahre 1752. 

Wahrend der Drucklegung haben mir mein Amtsgenosse, Herr 
Oberlehrer H o I z m a n n , und Herr Lehrer J. D i m e r , ebenso treundliche 
wie wertvolle Beihulfe geleistet, fur die ich beiden Herren meinen 
verbindlichsten Dank sage. 



i/as Hau[)t Karls 1. war auf dem Schafott gefallen; das 
Kuinpfparlament hatte England zu oiner Kepublik erklart. Weiiigc 
Tage nach diesen Ereignissen erschien aus Milton's Feder eine zum 
groBten Teil bereits vor dem Tode des Konigs verfafite Flugschrift 
The Tenure of Kings and Magi strides (das Becht der Konige und 
Obrigkeiten). in der er zu beweisen unternahm, „da6 es fiir 
jedermann, der die Maclit dazu liat, gesetzlicli ist und zu alien 
Zeiten dafiir gegolten hat. einen Tyrannen oder boseii Konig zur 
Rechenschaft zu ziehen, wenn er seiner Schuld uberfuhrt worden 
ist, und mit dem Tode zu strafeii, sobald die ordentlichen Behiirden 
dies versaumt oder verweigert haben." 

Erflillt von der Idee der Souveranitat des Volkes gab er dem 
Geschehenen seine voile Beistimmung und nahm offen und kiihii 
(lie Partei der kleinen Gruppe von Independenten, die unter Cromwell's 
Flihrung die gewaltsame Neuorduung der Dinge ins Werk gesetzt 
batten. Nichts war natiirlicher, als daS der Staatsrat. die Regierungs- 
hehorde der jungen Republik. einen Mann von solchen Gesinnungen, 
der sich uberdies als Dichter, -Gelehrter und politischer Schriftsteller 
einen wohlbegriindeten Ruf in seinem Vaterlande erworben hatte, 
in irgend einer amtlichen Eigenscliaft fester an sich zu fessehi suchte. 



I. Personliches. 

Anstelliing Milton's als ^Lateinischer Sekretflr*'. 

Man hot ihm (13. Marz 1649) den Posten des Sekretars fiir 
die Fremden Sprachen oder, wie er bald kiirzer genannt wurde, des 
Lateinischen Sekretars an. Es war namlich beschlossen worden, 
die demnachst mit den fremden Machten zu eroffnende diplomatische 
KoiTespondenz ausschlieSlich in lateinischer Sprache zu fuhren ; die 
von auswarts einlaufenden Mitteilungen waren nach damaligem 



— 4 — 

Brauch entweder lateiniseh oder fraiizosisch abgefaSt. Milton er- 
schieii fiir dieses Anit, welches inehr gelehite als staatsn.amiische 
Fahigkeiten erforderte, wie wenige aiidere geeignet. Er zogerte iiiclit 
demRufe Folge zu leisteu (15. Marz), obgleich der EntschluB einen 
vorlaufigen Vereicht auf die Fortsetzung seiner gelehrten Arbeiten 
bedeutete. Das ihin zugebiUigte Gehalt betrug uiigefalir jf 300.—, 
was etwa £ 1050.— nacli lieutigwu euglischeu (ielde bedeutet! 
wahrend die Stelle des Generalsekretars (zuerst von W. Frost, danii 
von Thurloe versehen) mit £ 800.— ausgestattet war. Damit war, 
wenigstens fur die ersten beiden Jahre (Nov. 19, 1649 — Dez. 1651), 
eine Amtswohnung in dem weitlaufigen alten Whitehallpahist ver- 
bunden, der als EegieruugsgebSude eingericlitet worden war. 

Amtsdaner. 

In den ersten JaLren wurde seine Bestalluug von dem Staats- 
rat, der seinerseits jahrlich von dem i'arlamente gewahlt wurde 
jahrhch erneuert. Er fuhrte anfangs die Amtsgeschafte allein.' 
Aber im Jahre 1 652, als sein seit langerer Zeit bestehendes Augeu- 
leiden zu volliger Erblindung fiihrte, wurde ihni eiu Hulfsarbeiter in 
der Person eines naturalisierten Deutschen. K. Weckherlin. an die 
Seite gestellt. der zii ahnlichen Dicnsten bereits unter der Re- 
gierung Karls I. verwendet worden war. Audi nach .leni Xtaatsstreich 
vom J. 1653 behielt ihn Cromwell, zu dessen tiliihenden Be- 
wunderern Milton gehfirte, als Lateiniscben Sekretar bei ; die Neben- 
stelle erhielt nach Weckherlin 's Tode Philipp Meadows (1653) und 
spater (1657) Milton's Freuud Andrew Marvell. Sein Gehalt wurde 
im Jahre 1655 infolge einer allgenieinen Herabsetzung der Gehiilter 
auf £ 150.- verringert, mit der Bestimmung, daS diese Sunimc zu- 
gleich als l.-benslanghcbe Pension gelten solle. spater jedoch wieder 
auf £ 200.- (= £ 700.— heutigen Geldes) erhoht. So ist er denn 
bis zum SchluS der Periode der Commonwealth (1660) 1 1 Jahre laug, 
von seinem 41. bis zu seinem 52. Lebensjahre, im Amte geblieben.' 

Amtlicher (ieschXftskreis. 

Die Abfassung von lateiniscben Depeschen, der sog. Letters of 
State, war Milton's nachstliegende, wenn auch keineswegs aus- 
schheSliche Dienstobliegenheit. Eine natiirliche Folge war die 
Pflicht, bei den Sitzungen des Staatsrats anwesend zu sein. Nach 
den wahrend derselben gemachten Notizen verfertigte er die englischen 
Entwurfe, die dann bei der nachsten Gelegenbeit dem Staatsrat zur 



— 6 — 



Priifnng vorgelegt warden. Waren diese genehmigt, so machte er 
die lateinische Ubersetzimg, die ebenso wie der urspriingliche Entwurf 
der Genehmigung der Behorde unterlag. Wenn notig, wurde die 
Bestatigung des Parlamentes, die Unterschrift des Sprechers und 
die Beglaubigung durch das groBe Staatssiegel eingeholt. Fiir 
gewohnlich unterzeichnete nur der Prasident des Staatsrates (in 
den Jahren 1649 — 51 Bradshaw); in spateren Zeiten Cromwell als 
Protektor. Nicht immer wurde jedoch der eben beschriebene Geschafts- 
j^ang genau innegehalten, besonders in spaterer Zeit nicht, wo 
Milton's Blindheit weitgehende Eucksichten erforderte. Haufig handelte 
OS sicli auch nur um Ubersetzung anderweitig gemachter Vorlagen. 

AuSer diesen Arbeiten lag ihni die Ubersetzung auswartiger 
Schriftstiicke ob. Gelegentlich wurde er auch mit der Ubertragung 
wichtiger Aktenstiicke, wie der Kriegserklarung an Schottland, an 
die Vereinigten Provinzen der Niederlande, an Spanien betraut. In 
einem Falle scheint er eine lateinische Gesandtenrede ausgearbeitet 
zu haben. 

In Verbindung mit dieser schriftlichen Tatigkeit stand die Ver- 
mittlung des mihidHchen Verkehrs zwischen fremdlandischen Agenten 
und Gesandten und der lieimischen Behorde, die Uberbringung von 
Botschaften in deren Naraen u. s. w. Sehr anstrengend waren diese 
Sekretariatsgeschafte in den ersten Jahren der Re])ublik nicht. wo 
(lor diplomatische Verkehi- ein ziemlich beschrankter war. Aber der 
Staatsrat wusste Milton's Arbeitskraft auiserdem in sehr manniju- 
fiiltiger Weise auszunutzen : zu Berichten fiber aufriihrerische Biicher 
oder Schriften, zu Untersuchungen der Papiere verdachtiger Personen, 
/ur Besorgung von Druckwerken, kurz zu allem, was literarisches 
Wissen oder Urteil erforderte; zur Ordnung des Staatsarchivs in 
Whitehall, ja audi zur Uberwachung der Regierungspresse (Mar- 
chamont Needham's Mercuritis Foliticus), die er gelegentlich 
..inspirierte". 

Vor allem aber war Milton der erkorene literarische Vor- 
kampfer und Verteidiger der Rej)ubhk; hierin sah er vielleicht 
sein(» vornehmste Aufgabe, und als solcher fuhlte er sich in seinem 
richtigen Fahrwasser. Auf die zumeist in Holland gedruckten 
royalistischen Scliriften,') welche Karl I. verherrlichten und die 
verhaSten Konigsmorder verdammten, antwortete er im Auftrage des 



1) (Dr. Gauden's) Eikon Basilike, d. h. Konigliches Bildnis; Professor 
Salinasius' Defenaio Regia; (Peter Du Moulin's) Regii Smiguinis Clamm- ad CieJum 
udvei'sm Parriddas Anglicafws, u. s. w. 



— 6 — 



Staatsrats in einer Reihe von gelehrten nnd beredten Gegenschriften/) 
die heiite zwar vergessen sind, damals aber seinen Namen auf deni 
Festlande ebeiiso beriibmt macbten, wie es der des grofien Protektors 
selber wurde. 

Eine von diesen Parteiscbriften — die Pro Populo AngHcano 
Defensio (1650) — verfaBte Milton trotz des dringenden Rates seiner 
Arzte, sicb zu scbonen. Deiin scbon batte er den Gebraucb des linken 
Auges verloren ; und es schien sicher, daS er aucb den Verlust des 
andern berbeiflibren wiirde, wenn er sicb zuviel zunmtete. Im vollen 
BewuStsein des bevorstebenden Opfers unterzog er sicb der Aufgabe. 
die ibm sein Pflicbtgefiibl vorscbrieb, und durfte sicb spater, drei 
Jahre nacb seiner 1652 erfolgten vfilligen Erblindung, mit gerecbtem 
Mannesstolz seineni Freunde (lyriack Skinner gegentiber rubmen: 
Ojriack, tbis tbree years' day tbese eyes, tbougb clear. 
To cmtward view, of blemisb or of spot. 
Bereft of ligbt, tbeir seeing bave forgot; 
Nor to tbeir idle orbs dotb sigbt appear 
Of sun, or moon, or star, tbrougbout tbe year, 
Or man, or woman. Yet I argue not 
Against Heaven's band or will, nor bate a jot 
Of beart or bope, but still bear u|) and steer 
Rigbt onward. Wliat supports me, dost tbou ask? 
Tbe conscience, friend, to bave lost tliem, overplied 
In liberty's defence, my i.oble task, 
Of wbich all Euro})e rings from side to side. 

Tbis tbougbt migbt lead me tbrougb tbe world's vain mask 
Content, tbougb blind, bad I no better guide. 



IL Geschichte des Manuskripts und der Drucke. 

Milton's State Letters sind erst nacb seinem Tode unter 
mancberlei absonderb'cben Umstanden veroffentlicbt worden. Er 
batte seine eigenen Niederscbriften sorgfaltig aufbewabrt und durcli 
seinen letzten Amanuensis, einen jungen Gelebrten namens Daniel 
Skinner, B. A. Cantab., ins Reine scbreiben lassen. Nacbdem er 
sicb nocb im J. 1673 vergeblich bemubt batte, die Erlaubnis der 
Regierung Karls II. zum Druck der Briefe zu erlangen, binterliefi 

1) Eikmioklastes, d. h. Bildzerst5rer ; Fro Populo AngHcano Defenaio; Pro 
PojMlo Aiiglimno Defetmo Sicmula, ii. «. w. 



— 7 — 

er bei seinem bald darauf erfolgenden Tode die Reinscbriften der- 
selben nebst anderen Papieren dem erwabnteii Skinner mit der 
Verftigung, sie in Holland zu veroffentlicben. In der Tat kniipfte 
Skinner deswegen im J. 1675 Verbandlungen mit Daniel Elzevier 
in Amsterdam an und lieS ibm gegen Ende des Jabres die Manuskripte 
zugeben. 

Da erscbien plotzlicb, nocb ebe der Druck begonnen batte, und 
wahrend Skinner in London verweilte, um sicb um eine Staats- 
unstellung zu bewerben, ebendaselbst im Oktober 1676 folgende 
Ausgabe der Staatsbriefe : 

Liferae P^endo-Senatm Anglicani, QomweUii, reliqtiorumqne 
Perdnellium nomine ac jitsm conscriptae a Joanne MiUono. Impressae 
Anno 1676, 12*^. 234 S. Weder Druckort, nocb Drucker, nocb 
Verleger, nocb Herausgeber sind genannt. Eine anonyme lateiniscbe 
\ orrede gebt voran, deren Verfasser sicb als wtitender Royalist und 
Anti-Miltonianer, docb zugleicb als Bewunderer seines glanzenden 
Stils vernebmen lafit.^) Der Verleger war, was Skinner zufalHg 
wuSte, Mr. Pitts, Bucbbandler in St. Paul's Cluircbyard, der sicb 
(lie urspriinglicben Niederscbriften von irgend jemandem, wabr- 
scheinlicb durcb Kauf von Milton's Neffen Edward Pbillips, er- 
worben batte. 

Im VerdruB daruber, daS Pitts ibm zuvorgekommen war, setzte 
Skinner sofort einen lateiniscben Prospekt auf, in welcbem er das 
Publikum vor dem Londoner Bucb als einer unecbten, verstiimmelten, 
nnordentlicben Raubausgabe warnte und die Vorziige der seinigen 
ecbten, die demnacbst ersebeinen wurde, gebiibrend anpries. Mit 
(liesem Prospekt in der Tascbe begab er sicb zu dem Staatssekretar 
Sir Josepb Willamson, der damals die Zensur ausubte. denunzierte 
ibm das unerlaubte Ersebeinen des Pitts'scben Bucbes und bat ibn, 
dasselbe entweder zu unterdriicken, oder aucb ibm die Druck- 
erlaubnis zu erteilen ; oder wenigstens die Aufnabme seines Prospekts 
in der London Gazette zu erlauben. Nicbts jedoch von alledem 
gescbab. Sir Josepb begann sicb zwar einigermafien fur den Inbaber 
so wicbtiger und bedenklicber Papiere zu interessieren und macbtc 
ibm Aussicbt aut eine Staatsanstellung, „nacbdem er zuvor seine 



•) Ich kann mich Masson nicht anschlieBen, der (VI. 806) in dem Verfasser 
Edward Phillips verrautet ; viel eher konnte es sein jiingerer Bruder John Phillips 
gewesen sein. Ebenso wenig kann ich ihm beistimmen, wenn er VI. 794 sagt: 
It is difficult to suppose that this was not written by some one who was more 
a Miltonist at heart than he could allow, and who was clever at irony. 



«— » o — „ 

Hande von dem Pecli der Milton'scheu Schriften gereinigt mid sich 
von einem so ansteckenden Verkehr wie der Milton'schen Freund- 
schaft *i:iit geliiftet hatte. 

Skinner versprach denn audi seinen Kontrakt mit Elzevier zu 
losen ; Elzevier selber trat bereitwillig von dem Handel zurtick. Aber 
da Skinner wohl abgeneigt war, sich ohne Gegenleistung von seineni 
wertvollen Vemiachtnis zu trennen, so bedurfte es ihm gegenuber 
seitens des Staatssekretars noch einiger Chikanen und Drohungen, 
bis er in den Besitz der State Lettei's, auf die es ihm hauptsachiich 
ankam, gelangte. Im Februar 1H77 schickte Elzevier die State 
Letters nebst der dazu gehorigen Abhandlung De Dodrina Christiana 
an Skinner's Vater, einen Londoner Kaufmann. Skinner senior 
handigte sie mit dem an ihn adressierten braunen Papierumschlag, 
so wie sie angekommen waren, Sir Joseph Williamson ein. Der 
aber lier3 sie in der gleichen Verfassung in einem Schrank des 
alten Staatsarchivs zu Whitehall verschwinden. Dort haben sie etwa 
150 Jahre geschlummert. bis das braune Paket im Jahre 1823 von 
Mr. Robert Lemon, Deputy Keeper of the State Paper Office at 
Whitehall, wieder entdeckt wurde. Von seinem Inhalt wurde die 
lateinische Abhandlung fiber die christliche Doktrin 1825 von Dr. 
Sumner veroffentlieht. Die State' Letters jedoch, in der schonen. 
sauberen Handschrift von Skinner auf diinnem Papier in 8" ge- 
schrieben, blieben unberucksiehtigt. weil ja der Druck von 167fi vorlag. 
Von letzterem giebt es einen Leipziger Nachdruck unter 
folgendtni Titel: 

Literae nomine Senatus Anglicanl. Cromwellii Richardiqiie ad 
diversos in Europa Principes & Respublicas exaratae a Joanne 
Miltono, (luas nunc primum in Germania recudi fecit M.(agist(^r) 
Jo. Geo. Pritius.') Lipsiae i^ Francofurti. 1090. 12". 292 s! 

Ubersetzungen : 

1. Milton's Republican Letters, etc. (Amsterdam?) 1682, 4". 

2. Letters of State written by Mr. John Milton, etc. To whidi is 
added an Account of his Life (by E. Phillips), together with 
several of his poems. London, 1694, 12«. - Diese Ubersetzung 
ist in die gangbaren Prosawerke Milton's aufgenommen worden" 

») Pritius (eigentl. Friz), Br. theol., lutherischer Theologe, Anhanger 
bpeners, geb. 1662 zu Leipzij^s gest. 1732 zu Frankfurt a. M., Yerfasser zahl- 
reicher tlieologiseher Schriften. Er stand offenbar friih mit England in Ver- 
bindung. Die Vorrede ist seinem Freunde und Uuiversitatslehrer, dem be- 
iubmt.'n (^irpzow, j?ewidmet. ~ S. Alljrem. Deutsche Biographie 



^ 9 — 

3. Oliver Cromwell's Letters to Foreign Princes and States for 

strengthening and preserving the Protestant Religion, etc. 

(Translated from the Latin of John Milton.) London, 1700, 4^. 

Das Skinner Manuskript enthalt 1 4 Briefe, unter diesen wichtige, 

welche in den librigen Ausgaben fehlen. Diese 14 Briefe sind von 

Mr. W. Douglas Hamilton fur sich in seinen Milton Papers (Camden 

Society 1859) abgedruckt worden. Anderseits enthalten die alten 

Drucke 11 Briefe und 2 dazu gehorige Dokumente. die bei Skinner 

fehlen. Bei Skinner sind die Briefe numeriert, in der Ausgabe von 

1676 und der Ubersetzung nicht. Ordnung und Datierung sind in 

beiden Sammlungen mangelhaft, weniger freilich bei Skinner. Nur 

selten kommen materielle Textabweichungen vor. 

Ill Die Briefe. 

L Periode: Die Englische Republik, Jan., 1648-49— Sept. 3, 1651, 
Schlacht bei Worcester. 
19(20) Briefe: (I— XIX). April- 21, 1649 — Aug. 10, 1651. 

Hamburg und Danzig. Das erste amtliche Schriftstiick. das 
wir aus Milton's Feder besitzen, ist ein Brief an den Hamburger Rat 
vom 2. April 1649.') Hamburg war damals der Hauptstapelplatz 
des englischen Tuchhandels auf dem Kontinent und Sitz der mit grofien 
Privilegien bedachten „Englischeii Court" (Company of Merchants 
Adventurers). Es war in den letzten Zeiten ein Samraelplatz fliichtiger 
RoyaHsten geworden, die von hier aus ihrer verlorenen Sache wieder 
aufzuhelfen versuchten. Die englische Kompanie selber war in zwei 
feindliche Parteien gespalten. Isaac Lee, der Vorsteher der englischen 
Kompanie, wird in dem Briefe als Resident der englischen Republik 
heglaubigt ;'^) dem Hamburger Senat wird der Schutz der englischen 
Handelsinteressen und die Sicherung der enghschen Staatsangehorigen 
gftgen die Feinde der englischen Republik empfohlen. Dafi diese 
Kmpfehlung nicht iiberflussig war, sollte sich bald zeigen. 

1) Ge/.. Guliehnus licnthall, Senatus Populi(iue Angliae Orator. C. S. P. 
l<i49-50, 48, 52: M. IV. 89; Hamilton. 15-18; der Brief fehlt ira Skinner 
Manuskript und in den Drucken; s. nieine Abhandlung Hamburg und England 
im er'iten Jahre der englischen Republik (Osterprogramm der Oberrealsolmle 
vor dem Holstentor, 1897). ''i) Diese Ehre lehnte er freilich ab; aber den Brief 
nl)ergab er wie vorgeschrieben. Der Vermerk auf der amtlichen Kopie im Record 
Office "The letter to the Senate of Hamburgh, not delivered; sent back by Lee" 
bezieht sich auf das zuriickgesandte Duplikat und veranlaBte Milton zu dem 
Irrtum, der Brief sei iiberhaupt nicht abgegeben worden. Masson begeht 
deiiselVien Irrtum und lafit den Brief in der Aufzahlung aus. 



— 10 — 



Im Sommer des Jahres veriibte ein Agent Karls II., der 
schottische Oberst Cochrane, einen OberfaU auf einigo der ersten 
Kaufleute der Kompanie und versuchte sie als Geiseln fortzuschleppen. 
Nach einem regelrechten Gefecht auf der Elbe gelang es ihren 
Landsleuten, sie zii befreien. 

Dieser Vorfall bildet den Gegenstand des zweiten Briefes an 
den Hamburjijer Rat, der zunachst auf Hamburger Beschwerden 
uber vorgekommene Betrugereien englischer Kaufleute (25. Juni) in 
entgegenkoramendem Sinne antwortet, dann aber mit Nachdruck die 
Bestrafung Cochrane's und seiner Genossen fordert.*) 

Unterdessen hatte die englische Regierung ein Mittel gefunden, 
die Anerkennung der Republik im eigenen Lande wenigstens zu 
erzwingen. Sie hatte zuerst ihren eigenen Mitgliedern, sodann alien, 
die zu der Regierung in irgend einem, wenn auch noch so losem, 
Verhiiltnis standen, einen Treueid (Engagement of Allegiance) auf- 
erlegt.-) Auch von den Mitgliedern der Kompanie wurde ein solcher 
gefordert, von einigen derselben aber verweigert. Man legte in London 
diesen Ungehorsam deni Verhalten des Hamburger Rats zur Last 
und machte ihm deswegen Vorhaltungen.'*) D.a Isaac Lee das Amt 
eines Residenten abgelehnt hatte, wurde Richard Bradshaw in dieser 
Eigenschaft abgesandt und bei dem Rate beglaubigt. Das Schreiben. 
das er mitnahm, weist wiederum auf die Umtriebe Stuart'scher Agenten 
(Montrose!) hin;*) und in einem spateren Schreiben wiederholt 
sich die niiniliche Klage.') Einen gewissen Abschlufi erfahren diese 
diplomatischen Aktionen durch einen Farlamentsbrief voni l^.Marz, 
iriaO-f)!.*") Hier wird fiir die begangenen Ubeltaten (ein Attentat 
auf den Frediger der Kompanie, Dr. Elborough, den Uberfall der 
englischen Kaufleute) die inimer nocli verzogerte Genugtuung uiid 
Bestrafung der Schuldigen gefordert, und ein neuer Ubergriff eines 
gewissen Garnies ervvahnt, der englische Kaufleute unter Nichtachtung 
ihrer Privilegien vor das Reichskammergericht zitiert habe. 

Wie in Hamburg batten die Royalisten auch in Pol en, zumal 
in Danzig, fiir ihre Sache zu wirken gesucht. Der polnische GroQe 
Rat hatte den in Polen und Polnisch-PreuSen verkehrenden englischen 
Kaufleuten auf Montrose's Betreiben eine schwere Warensteuer 



I) C. S. P. ebend., 270-71; M. IV. 159, I, Aug. 10, 1649; iiber den Brief 
von Hamburg, C. S. P. ebend., 2«l. tJber die Weiterungen b. die zitierte 
Abhandlung. ») M. IV. 124. 3) C. S. P. ebend., 466, 468; M. IV. 160, II, 
Jan. 4, 1649-50. *) C. S. P. 1650, 67, 68, 73, 76; M. IV. 233, VIU, April 2, 
1650. *) M. IV. 284, XI, Mai 31, 1650. «) M. IV. 324, XVIII; nicht bei Skinner. 



11 



aufeiiegt, deren Ertrag als Subsidie Karl Stuart zufliefien soUte. 
Die englische Regierung ersuchte nun den Rat der Stadt Danzig, 
in ihrem Gebiete diesen Zoll nicht zu erheben'). 

Der gi'ofiere Teil der diplomatischen Korrespondenz dieses 
Abschnittes bezieht sich jedoch auf Spanien und Portugal. 

Spanien und Portugal. Philipp IV. von Spanien weigerte sich, 
die englische Republik anzuerkennen, deren Bestand ihm wenig 
gesichert erschien, und deren Vertreter er als Konigsmorder ver- 
abscheute. Ebenso wenig freilich war er geneigt, fiir die Stuart'sche 
Sache einzutreten, da ihn der Krieg mit Frankreich geniigend be- 
schaftigte. Da aber Karl Stuart Gesandte (Cottingdon und Hyde) 
jin den spanischen Hot geschickt hatte, so hielt der englische Staats- 
rat es doch fiir geraten, ebenfalls einen Agenten dorthin zu senden, 
urn ihren Einflussen entgegenzuarbeiten. Dazu wirkte mit, dafi 
Prinz Rupert von der Pfalz, der seit geraumer Zeit mit dem konigs- 
treu gebliebenen Teil der englischen Flotte und anderen Schiifen die 
Kiisten des Atlantischen Oceans unsicher machte, mit seiner Beute 
in den portugiesischen Hiifen Schutz fand. Bei dem gespannten 
Verhiiltnis Spaniens und Portugals zu einander konnte man darauf 
rechnen, Philipp mindestens dazu zu bewegen. dafs er Rupert seine 
Hiifen schloS. Es wurde daher Anthony Ascham als Agent nach 
Madrid geschickt, wahrend Charles Vane bei Johann IV. von Por- 
tugal energischen Protest erheben sollte. Ascham erhielt ein kiirzeres 
und ein langeres Beglaubigungsschreiben,'-) in welch letzterem auf 
die Stuart'sche Gesandtschaft angespielt und der Wunsch zu erkennen 
gegeben wird, einen Handelsvertrag mit Spanien zu schliefien. Das 
Beglaubigungsschreiben fiir Vane^) fiihrt Beschwerde dariiber, daB 
„Piraten und Deserteuren von England'' Zutlucht in portugiesischen 
Hafen und die Erlaubnis gewahrt werde, ihre Beute von englischen 
Schiifen auf den StraSen Lissabons in Auktion zu verkaufen. 
Diesem Brief wurde ein zweiter, in noch stiirkeren Ausdrucken 
abgefaBter*) nachgeschickt, in welchem die Vertreibung der „Piraten" 
aus dem portugiesischen Gebiet gefordert und der Konig ersucht 
wurde, keine .,angeblichen" Gesandten Karl Stuarts zu empfangen. 
Dieser Brief erreichte Vane auf der Flotte Blake's, der im Begriff 
war, als Befehlshaber der republikanischen Flotte Rupert nach- 
zusegeln. 

») M. IV. 236, XVII, Febr. 6, 1650-51. Masson gibt falsch an: 1650. 
'^) C. S. P. 1649-50, 502; M. IV. 160, 111 u. IV, Febr. 4, 1649-50. 3^ C. S. P. 
• bend , 502; M. IV. 161, V, Febr. 4, 1649-50. *) M. IV. 232, VI, Febr. 24, 1649-50. 



— 12 



Rupert's Piratenflotte lag irn Tejo, als Blake rait seiner Flotte 
an der Miindung ankam und sofort einfahren wollte, um die seinem 
Gegner zugedachte Ziichtigung vorzunehraen. Die Kanonen der Forts 
verwehrten es ihm jedocli auf liochsten Befehl, und auch Vane, 
der ans Land gesetzt war, vermoclite nicht den Konig auf bessere 
Gedanken zu bringen. Da erschien Admiral Popham mit Ver- 
starkungen und einem in Unkenntnis der Sacblage abgefaLJten Brief,') 
der ihn bei dem Konig einfiihren soUte. Es heifit darin, der 
einzige Zweck seiner und Blake^s Mission sei, die der englischen 
Republik gehorenden Scbiffe wiederzuerlangen : der Konig moge ihm 
Einfahrt in den Tejo gewaliren. Zugleich mit dem Schreiben an 
den Konig Jobann von Portugal batte Admiral Popbam einen Brief 
an Pbilipp IV. von Spanien*'^) mitgenommen, in welcbem der Wunsch 
des Parlaments, mit Spanien in freundschaftlicbe Beziebungen zu 
treten, sowie das Gesucb ausgesprocbeu wird, Popbam's Scbiffeu 
Aufnabme in den spaniscben Hafen zu gestatten. Mit Popbam's 
Ankunft ging man zu offenen Feindseligkeiten uber. Vane rettete 
sicb mit Miihe. Es begann eine Blockade mit mannigfacben 
Wecbselfallen. Endlicb gelang es Rupert im Oktober, aus dem Tejo 
zu entkommen. Aber Blake verfolgte ibn ins Mittelmeer bis Malaga 
und Cartagena und macbte seinen Seeraubereien ein griindliches 
Ende. Auf dieser Fabrt batten die beiden engliscben Admiralc 
von dem Gouverneur von Andalusien, Antonio Juan Luiz de la 
Cerda, Herzog von Medina Celi, freundlicben Beistand erbalten. 
wofiir ibm nacbber ein berzlicher Dank seitens des Staatsrnfes 
zuteil wurde.^) 

Blake liatte wabrend seines Krenzons vor der Tejoniunduiig 
eine wertvolle |)ortugiesiscbe Flotte, <lie von Brasilien kam. 
gekapert. Dies ^ab die Veranlassung dazu, dall Konig Jobaini einen 
Gesandten, Dom Joao de (juimaraes, nacb London sandte, um 
Sebadenersatz zu verlangen und Frieden nachzusucben. Er kam am 
1 0. Dezember in Southampton an ; aber nacbdem er seine Beglaubigungs- 
schreiben eingesandt, wurde ibm nur naeb scliweren Bedenken erlaubt. 
seinen Weg bis London fortzusetzen. Ein sebr kiihler Brief Milton's 
benaebrichtigt ibn von diesem BescbluO. Der Scbreiber bemerkt, 
dal3 aus seinem Beglaubigungsscbreiben niclit hervorgelie, mit welcbem 
amtlicben Titel, ob als Gesandter oder als Agent oder als Inter- 



») €. 8. P. 1650, 134; M. IV. 233, IX, Apr. 27, 1650. '^) M. IV. 233, X, 
Apr. 27, 1650. (V); nicht in den Drucken. Hamilton, 10—11. ') C. S. F. 
1650, 405; M. IV. 235, XIV, Nov. 7, 1650. 



— 13 



luintius er geschickt sei, und wiinscht zu wissen, ob er vollstandige 
Vollmacbt babe, Sebadenersatz zu leisten fur die Verluste, die der 
Engliscben Republik durch den Schutz einer Flotte von Rebellen 
uiid Schurken erwachsen seien. Wenn er dariiber geborige Sicberbeit 
jxeben konne, so werde ihm ein Geleitbrief geschickt werden, und 
es konne vielleicht weiter von einem Vertrage die Rede sein.') Dom 
Joao de Guimaraes kam dann naeb London. Es gelang ibm nacb 
vielen Umstiinden, Audienz bei einer Kommission des Parlaments zu 
erbalten: mehr konnte er als bloSer Agent nicht erreicben. Die 
Unterhandlungen zogen sicb sebr in die Lange. Am 10. April 
hekam Guimaraes die Rechnung Uber die Gegenforderungen des 
Parlaments zu Gesicht, iiber deren unendliche Lange er so erscbrak, 
(laS er keine passende Antwort finden konnte. Am 16. Mai wurde 
ihm daber bedeutet, daS er England binnen 1 4 Tagen zu verlassen babe. 
England war jetzt Herrin der Meere. Es konnte seine Be- 
dingungen diktieren und liefi Portugal Milen, dafi es geraten war, 
ill Freundschaft mit ihm zu leben. 

Ungleich ungunstiger war die spanische Gesandtschaft verlaufen. 
Ascham batte Madrid am 20. Mai erreicht. Da ereilte ihn das- 
Ncibe Gescbick. welches ein Jabr vorher den enghschen Gesandten 
im Haag, Dr. Dorislaus, betroffen batte. Er wurde am Tage); nacb 
st'iiier Ankunft von 6 jungen enghschen Cavalieren iiberfallen und 
iiebst seinem Dolmetscher ermordet. Einer der Morder, ein Pro- 
testant, entkam, die anderen fiinf tiohen in eine benachbarte Kirche, 
.Ills der sie von den spaniscben Piehorden herausgeftibrt und ge- 
fangen gesetzt wurden. Es erbob sicb nun zwischen der biirger- 
lichen und der kircbbchen Obrigkeit ein Streit dariiber, wer iiber die 
Morder abzuurteilen babe; denn sie waren aus einem geweihten 
Asyl entfernt worden. In Westminster erregte die Kunde von dem 
Gesandtenmord natiirbch die hochste Entriistung. Sie faud ibren 
Ausdruck in einem sofortigen Schreiben an den Konig von Spanien'^), 
in dem unter Ausdriicken des Abscheus iiber das Geschehene die 
Zuversicht ausgesprocbeu wird, daS an den Verbrechern schleunige 
Gerecbtigkeit geiibt werde. Zugleich wird um die Erlaubnis gebeten, die 
Leiche Aschams nacb England iiberfiihren zu dlirferi, und um Schutz 
der am Leben gebliebenen Mitglieder der Mission nacbgesucbt. 
Geraume Zeit verstrich, ebe in Spanien etwas Ernstlicbes in der 
Angelegenbeit geschah. Am 26. Dezember reicbte der spanische 

I) M. IV. 235, XV, „Internuntio Portugallico" ; ohne Datum. 2) c. S. P. 
1650, 218; M. IV. 234, XII, Juni 28, 1650. 



14 — 



Gesaiidte in London, Don Alonso de Cardenas, welcher dort wahrend 
der ganzen Zeit in halb oftizieller Fjgenscliaft verweilt hatte, seine 
iorndichen Beglaubigungsschreiben bei deni Parlameut ein, womit 
Spanieii die Republik anerkannte. An ihn richtete der Staatsrat, 
nachdem dnrch das Parlanient die Verhandlungen eingeleitet waren. 
die wiederholte dringende Aufforderung '), dabin zu wirken, daS der 
Mord Ascbams endlicli gesuhut werde: das geweibte Asyl diirfe 
die Morder nicbt schiitzen. 

Uni der Fordening groSeren Nacbdrnck zu verleihen, wurde 
binterlier ein Brief des Parlaments an den Konig selber'*^) aus- 
gefertigt, welcber betont, dafa die engbscbe Regierung, so sebr sie 
geneigt sei, nut Spanien gute Freundscbaft zu balten, docb aut 
prompter Justiz gegen die Gesandtenmorder bestehen inlisse. Dio 
eindringlicbe Beredsanikeit des Schreibens lafit vermuten, daB 
Milton dasselbe nicbt bloB iibersetzt, sondern selbstandigTverfaBt 
hat. Es gescbah jedocb nicbts, was dem Wunscbe des Parlaments 
irgendwie entsprecben konnte. Zwar wurde den beiden Stuart'sclieii 
(lesandten Cottingdon und Hyde der LaufpaS gegeben. Aber von den 
Mordern wurde nur einer, ein Protestant, auf den es nicbt eben viel 
ankam, gebangt; die vier Katholiken dagegen warden aus dem Ge- 
fjingnis in die Kirclie zuriickgefubrt und verscbwanden von bier spurlos. 

Das Verbjiltnis Englands zu tSpanien verblieb nocli auf liingere 
Zeit binaus in einer Art Zwitterzustand. Davon legt u. a. das 
letzte Dokunient^) dieses Abscbnitts Zeugnis ab. Hierin wird 
Klage dariiber gefiihrt, daB engliscben Kaufleuten lastige Ab- 
gaben von Gouverneuren und andern Beamten in verscbiedeneii 
Hafen, besonders der Canariscben Inseln, auferlegt werden. Ent- 
scbadigung wird namentlicb verlangt fiir die von Don Pedro de 
CariUo de Guzman zugefiigten Scbaden. Es wird der spaniscbeu 
Regierung nabegelegt, das Institut eines „ Judex Conservator"*) wieder 
einzufiibren. 

Unterdessen batte aber Cromwell in zwei aufeinanderfolgendeii 
Feldziigen erst Irland, dann Schottland niedergeworfen ; durcb den 



») M. [V. 235, XVI: Datum fehlt: Anfaiig Jaimar, 1650-51. -) M. IV. 
234, XIll, Jan. 22, 1650-51. Der Brief ist undatiert bei Skinner (No. 114), sowi« 
in den Drucken. Das augegebene Datum stammt aus Hist. MSS. Om,. 
Rep. XIII. App. part I. 554. Bei Massou steht der Brief an falacher Stellf. 
S. auch Gardiner, I. 343. ») V. S. P. 1651, 268; M. IV. 324, XIX, Aug. 10, 
1651. *) Span.: Juez Conservador, Richter in Sachen der Privilegien voti 
Handelskompanieeii. 



15 



Sieg bei Worcester. H. Sept. 1651, zertrummerte er die letzte Hoff- 
iiung Karl Stuart's und der Royabsten. So batte sich das neue 
(ienieinwesen mit Gluck aller inneren und aufieren Feinde erwebrt, 
und diese Erfolge wirkten naturgemafi zuriick auf die Haltung der 
auswartigen Macbte, die bis dabin eine mebr abwartende ge^esen 
war. Fur Holland wurde das letzte Jabr ganz besonders ver- 
hiingnisvoll. Am 1). Oktober 1651 ging die berubmte Navigations- 
;ikte im Parlanient durcli, mittels welcber England dem Handel 
seiner macbtigen Rivalin einen scbwer zu verwindenden Scblag ver- 
setzte. Ein Krieg mit Holland war die nachste Folge, der erste 
der langen Reibe von Handelskriegen, die in den niicbsten andert- 
lialb Jabrbunderten unter den seefahrendeu Nationen gewutet liaben. 

II. Petiode: Sept. 3, 1651 — Apr. 20, 1653 (AuHosung des 
Rumpfparlaments) ; Cromweirs Diktatur und das Barebones 
Parlament, Dez. 16, 1653. 

45 Briefe (XX— XLIV): Jan. 20, 1651-52 — Okt., 1653. 

Masson (IV. 377, ff.) zahlt die Gesandten und Agenten. von 
nicbt weniger als 10—12 groSeren und kleineren Staaten auf, die 
vimi Ende des Jabres 1651 bis zum Anfange des Jabres 1652 in 
London verkebrten. um namens ihrer Regierungen in Unterbandlungen 
mit der macbtigen Republik einzutreten: von Holland, Scbweden, 
Diinemark, Hamburg und den Hansestadten, Oldenburg, Toskana, 
Venedig, Spanien, Portugal, Frankreicb; ja, aucb von dem Haupt 
der Fronde, dem groSen Conde, sowie von der Stadt Bordeaux 
meldeten sich Sonderbotschaften. Mit alien diesen Personen kam 
Milton in seiner amtlicben Eigenscliaft in Beriihrung. Es mehrte 
sich auch die Zahl der von auswarts einlaufenden diplomatischen 
Schriftstucke ; und die ausgehende Korrespondenz wurde mannigfaltiger 
und umfassender. Milton fuhlte sich trotz seiner Blindheit diesen 
vielfaltigen Aufgaben gewachsen; nur bat er um Dispensation von 
den miindlichen Konferenzen mit den Gesandten.^) Seine beiden 
Xeffen, Edward und John Phillips, dienten ihm in dieser Zeit auSer 
den vereidigten Schreibern der Behorde als Amanuenses. 

Toskana. Die Reibe der Briefe beginnt mit einem Brief an den 
iiroBherzog Ferdinand II. von Toskana,') der den Wunsch dieses 

M In seinem Briefe an den Prasidenten John Bradshaw, Feb. 21, 1652-53. 
In demselben empfiehlt er seinen Freund Marvell fiir den Posten des Hiilfs- 
^^ekretars, den der inzwischen verstorbene Weckherlin innegehabt hatte. Marvell 
\\Tirde aber erst 8pater angestellt. M. IV. 478 ff. '^) C. S. P. 1651-52, 99; 
M. IV. 480. XX, Jan. 20, 1651-52. 



~- 16 -- 

Fiirsten, eineii Handelsvertmg iiiit der Republik abzuKchlieBeii. 
her/licli erwidert. Die Bezieliungeu zu demselben bliebeii fortdauernd 
sehr freuudschaftlicbe. So ereignete es sich, daS walirend des eiiglisch- 
hollaiidischen Krieges 4 hollaiidische Oiiogscbiffe in den Hafen von 
Livoriio einfuhreii, die alle euglischen Scbiffe daselbst zu verbreiiiien 
oder zu verseukeu drohteii. Der GroSherzog wies aber den 
Gouverneui* von Livonio an, sie auf jedes Risiko bin in seineii 
Sdmtz zu nebmen. Der Staatsrat dankte ihni aufs warmste fur 
diesen ausgezeichneten Dieust') und iibersandte ibm zugleich eine 
Kopie der gegen Holland erlassenen Kriegserkliirung. EiniMi 
Monat spater, nachdem der engliscbe Agent in Livorno, Mr. 
Charles Longland, einen ausfiihrlicheren Bericht iiber den Vortall 
eingeschickt batte, nabm der Staatsrat nocb einmal Veranlassun^. 
seinen Dank auszusprecben,-) und teilte mit, dafi alle engUscbeii 
Kriegsschiffe, die in toskaniscbe Hafen einlaufen wiirden, beordert 
seien, nicbt zu verabsaumen. den ublicben Ehrensalut zu feuerii 
(„tit salutationes explosione formentonim consiietas omnemque honorem 
debitum vestrce Celsihidini eochibeie meminerint''). Audi in anderei- 
Weise bezeugte die engbsdie Regierung, dafi sie ervviesene Freuiid- 
schaftsdienste zu wiirdigen wisse. Dats Scbiff eines livoniisebtii 
Kapitiins Cardi war niit einer Ladung Keis von engliscben Kriegs- 
scbitfen ijescblagnabmt worden. Die AdmiraHtatsriditer in London 
batten gegen denselben entscbieden. A Is nun der (irofiberzog Vor- 
stellungen darliber erliob, wurde ibm von Seiten des Parlaments er- 
widert*): dem Ka{)itan stebe zwar nocb eine Berufung offen ; aber 
geL^ntiber dem Untertan eines so guten Freundes wolle das Parlameut 
nicfit auf dem Bucbstaben des Gesetzes besteben. Lediglidi au^ 
Hochacbtung vor dem Grot3berzog babe es die Rtickgabe des Scbitts 
und der Ladung oder die Erstattung des voUen Wertes daftir aii- 
befoblen; der Agent des Kapitiins sei bereits davon verstandigt. 
Ein anderes Mai batte ein Kapitan der englisdien 
Kriegmarine Appleton trotz der ausdriicklicben Befeble seiner 
Regierung, dem GroGberzog besondern Respekt zu erweisen, die 
Neutralitat des Hafens von Livorno wiibrend eines Gefecbts mit 



^ 17 



/ 



') C. S. P. l*>61.52, 346; M. IV. 483, XXVIII, Juli 29, 1652. Verfassti 
des Entwurfs war Thurloe. '^) C. S. P. ebeiid., 392: M. IV. 484, XXX, Sept. 2. 
1662. Longland'8 Brief an den Staatsrat (Sept. 6) enthalt iiber den Brief voin 
29. Juli Angaben, die'diesem zu widersprechen scheinen. *) M. IV. 485. XXXH , 
Nov. 9, 1652. Der Tatbestand, wie er im Briefe dargestellt ist, weicht etwas 
von dem sonst iiberlieferten ab; s. ('. S. P. ebend., 393. 



den Hollandern groblicb verletzt. Der Grofibeizog besdiwerte 
sicb. Das Parlament driickte darauf sein tiefes Bedauern iiber den 
Vorfall aus und teilte mit*): der angeklagte Offizier sei zuriickbe- 
rufen worden und gehe einer Untersudiung, und wenn er sdiuldig 
befunden werde, einer strengen Strafe entgegen. Es werde dafiir 
sorgen, dati xUnilidies nicbt wieder vorkomme. Audi sollten die 
Hollander innerbalb des Bereicbs des Leuditturms von Livorno nidit 
augegriffen werden.-O 

Eine Reibe von Briefen dieses Absdniitts entbiilt nur Formali- 
tiiten. So wird der Konigin Cbristina von Scbweden zu dem 
Tode ibres Gesandten Silvercron kondoliert ; ^) dem Konig Friedridi III. 
von Diinemark wird der Empfang von Briefen durcb Vermittelung 
seiner Gesandten, Henry Willemsen und Rosenwing de Lysacker, 
bestatigt.*) den Senaten der Hansestadte und von Hamburg die 
Ankunft ibres Bevollmiicbtigten Leo de Aitzema und der Empfang 
desselben angezeigt,''; endbdi dem Dogeu von Venedig der Eingang 
von Briefen durcb Lorenzo Paluzzi bestatigt.**) 

Oldenburg. Interessanter ist der brietiidie Verkebr mifc dem 
Grafen Anton Gunther^) von Oldenburg und Delmenborst. Sebon 
friib (im Sommer 1651) batte dieser mit der engliscben RepubHk 
Beziebungen anzukniipfen versucht. Sein Gesandter, der Landricbter 
Hermann Mylius,**) der mit Milton bald personlicb in ein freundscbaft- 
Uches Verbaltnis trat, batte die Aufgabe, vom engliscben Parlamente 
fiir die Territorien seines Herrn eine ,,Salva Guardia" zu erwirken, 
die wabrend des engliscb-niederlandiscben Krieges von besonderer 
Wichtigkeit sein muSte. Die Verwandtscbaft des Grafen mit dem 
Hause Stuart, die ibn royabstiscber Sympatbien verdacbtig macbte, 
80 wie Intriguen von Seite Bremens wegen des Weserzolles waren 

') C. S. P. 1651-52, 485, 504 (Nov. 23); ib. 1652-53, 91 (Jan. 10), 102 
(Jan. 14); M. IV. 485, XXX VII, Dez. 14, 1652. Das Datum ist zweifelliaft. 
Das Minute Book des Committee of Council for Foreign Affairs gibt an: 
Jan. 7, 1652-53. '^) Uber die Einzelheiten s. C. S. P. 1661-52 und 1652-53, 
Register s. v. Appletcm, und Diet, of Xiit. Biog. s. v. Appleton. ^) C. S. P. 
1651-52, 167, 169; M. IV. 481, XXII, Marz 11, 1651-52; der Brief wurde durdi 
einen,l aufierordentlichen Gesandten Mr. Daniel Lisle liberbracht. Xicht bei 
Skinner. *) C. S. P. el)end., 211, 212. Als Ubersetzer des Briefes wird 
Weckherlin genannt! M. IV. 481, XXIV, Apr. 13, 1652; nicht bei Skinner. 
^) C. S. P. ebend, 211; M. IV. 482, XXV, April 16, 1652, und XXVI, gl. D.; 
der let?tere nicht bei Skinner. 6) C. S. P. 1652-53, 45; M. IV. 486, XXXVIII, 
Dez. 29, 1662. 7) Masson, IV. 379, nennt ihn falsch Friedrich. «) S. iiber ilin 
A. Stem, Milton und seme Zeit, II. 287 ff. 



0. R. V. d. Holstentore. lana. 



2 






lo — 



Grtinde geiiug, die Angelegenheit zu verzogern. Erst naeh sechs 
Monateii Warteus erhielt er die gewiinschte Salva Guardia nebst 
eiuem Begleitbrief vom Parlament, *) der die lange Verzogeruug dem 
Grafen gegeniiber duich Uberlastiing uiit Geschafteii eiitschuldigt 
uiid zugleich Mylius gegen mogliche falsche Beurteilung aufs warmste 
ill Schutz nimmt. Man erkennt aus dem ganzeii Toue des Briefes. 
dafi Milton's Freundschaft die Feder gefiihrt hat. 

Spanien. Bei weitein formlicher gestaltete sich die Korres- 
pondenz mit dem spanischen Gesandten Cardenas. Er hatte auf 
seinen Wunsch eine Audienz bei dem Staatsrat erhalten, und eiii 
AusschuB war ernannt worden, um mit ihm iiber einen Haudels- 
vertrag einig zu werden. Darauf hatte er aber einen hochst 
diirftigen Entwurf mit nur zvvei einleitenden Punkten eingereicht. 
den das Parlament als ungeniigend diirch den Staatsrat zuriickweisen 
lieS/^) Der Gesandte bemiihte sich dann weiter, zu einer Verstan- 
digung zu gelangen. Im Mai machte er den Vorschlag eines Ver- 
trages, der mit gewisseii wohlerwogenen Veranderungen auf einen 
friiher zwischen England und Spanien abgeschlossenen Vertrag 
zuruckging. Man liefi ihn erst langere Zeit auf eine Antwort 
warten. Endh'ch erschien sie. ^) Die Schuld an dem Aufsclmbe wird 
dem Gesandten zur Last gelegt, der fortwahrend vermieden habe. 
bestimmte Vorschlage zu machen : auch der vorliegende Entwurf konne 
nicht geniigen; er moge endlich eine brauchbarere Vorlage Hefern, 
die dann sofort in Erwagung genommen werden solle. SchlieSlich wird 
auf einen alten Brief des Parlaments (wegeri des ungestihnten 
Gesandtenmordes?) angespielt, der noch immer unbeantwortet sei. 
Am 2. September kam Cardeiias der Aufforderuntr nach.*) Das 
Parlament lehnte jedoch seinen Entwurf ab und legte seiuerseits 
einen solchen vor, der aber wieder fur Spanien. wegen einer zu 
gunsten der englischen Protestanten eingefiigteu Klausel, unaii- 
nehmbar war.*) 



I) C. S. P. 1651-52. 133, 139, 140; M. 481, XXI, Feb. 17, 1651-52. Die 
Salva Guardia ist abgedruckt bei Thurloe, I. 385—86 und bei J. J. Winkelmaim, 
Oldenbimjische Friedens- und der bemichbarten (Mer Kriegsluindlungen (1671). 
390-91. -') C. S. P. ebend., 165; M. IV. 481, Will, Marz 21, 1651-52; nicht 
bei Skinner. 3) C. S. P. ebend., 349; M. IV. 483, XXIX, Aug. 12, 1652. 
Masson gibt nur den Monat an : s. Gardiner, History of the Commomveaifh and 
the Protectorate, II. 129. Nicht bei Skinner. *) Cardenas an Philipp IV., 
Sept. 10/20; seine Vorsehlag^e bei Guizot, I, App. XXI. 8; s. Gardiner, II. 130. 
•'•) Gardiner, II. 184. 



- 19 ~- 

Dazwischen bewiesen einige Vorkommuisse, dafi auf beiden 
Seiten der gute Wille vorhanden war, freundsohaftlich zu verkehren. 
Eine Klage des Gesandten iiber die Beschlagnahme zweier, angebhch 
Kriegscontrebande fiihrender, spanischer Schiffe durch ein englisches 
Kriegsschiff wurde vom Staatsrat in gebiihrende Berucksichtigung 
gezogen.') An demselben Tage erhielt Cardenas den amtHchen Dank -) 
fiir die Hoflichkeiten, die der Gouverneur von Porto Lougone 
auf der Iiisel Elba dem englischen Admiral Badiley erwiesen hatte, 
als dieser nach eiuem zweitagigen Gefecht mit 11 holliindischen 
Schiffen geniitigt gewesen war, zur Ausbesserung seiner vier 
Kriegsschiffe jenen Hafen aufzusucheu. 

Danemark. Friedrich III. von Dauemark hatte schon im 
Marz 1651-52 einen Agenten in Whitehall akkreditiert. Einige 
Wochen spater meldeten sich zwei auSerordenthche Gesandte, 
Eric Kosenkrantz und Peter Reetz, die eine feierliche Audienz im 
Parlament erhielten und Vorschlage zu einem Handelsvertrage unter- 
breiteten. Konferenzen und ein Austausch von schriftlichen 
(iateinischen) Mitteilungen erfolgten. Einzelne Klauseln des vor- 
geschlagenen Vertrages fiihrten zu Auseinandersetzungen seitens des 
Staatsrats, ■*) auf welche die Gesandten, wie es scheint wegen 
iiiangeliider Vollmacht, keine zufriedenstellende Antwort geben konnten. 
Ein Brief des Staatsrats*) bedauert dies. Er stellt zugleich eine 
wichtige Forderung auf, daS namlich die Republik in ihrem 
Handel mit Danemark auf demselben FniS behandelt werden miiSte 
wie die Niederlande oder eine andere meistbegunstigte Nation. 
An dieser Bedingung zerschlugen sich die Unterhandlungen. Denn 
am 21. Febr./8. Marz hatte Danemark mit den Generalstaaten einen 
Vertrag abgeschlossen, durch welchen die letzteren ftir 86 Jahre das 
Recht erwarben, den SundzoU fur ihre Schiffe in eine jahrliche 
Pauschalabgabe umzuwandeln ; und dieses Zugestandnis war danischer- 
seits von der ausdriicklichen Erklarung begleitet worden, dafi 
keine andere Nation die gleiche Gunst genieSen solle.*) Kurz darauf 
verKefien die danischen Abgesandten England. Der Konig war aber, 

') C. S. P. 1651-52, 490; M. IV. 485, XXXV, Nov. 11, 1652; nicht bei 
Skinner. 2) C. S. P. ebend , 437, 438, 476; M. IV. 485, XXXVI, Nov. 11., 1652. 
s. Gardiner, II. 140. ^) C. S. P. ebend., 425, 437, 438, 439, 441, 443, 448; 
M. IV. 484, XXXI, an die danischen Gesandten Okt. 1652 [?); kein Datum; nicht 
I'oi Skinner. *) ('. S. P. ebend., 452, 455; M. IV. 484, XXXII, Okt, 1652[?1; 
kein Datum; nicht bei Skinner. *) Aitzema, Saken van Staet m Orlogh, III. 
•>54 und III. 335. 



2* 



— 20 



wahrend in London von seinen Gesandten verhaudelt wurde, 8tli(»u 
feindlich gegen England aufgetreten. Er hielt 26 englische, niit Schiffs- 
baumaterial beladene Kauffahrteischiffe mit Gewalt ini 8und zuriUk 
und verweigerte dem Admiral der englischen Flotte, der yai ihreiii 
Convoy bestimmt war, Genugtuung. Bei dieser ernsten Sachlage 
hielt es das Parlament fiir angezeigt, einen besondern Agenten, den 
bisherigen Residenten in Hamburg, Richard Bradshaw, nach 
Kopenhagen abzusenden, um einen Versuch ziir gutUchen Beileguiig 
der Sache zii machen. Dies wurde dem Konig durch ein Parla- 
raentsschreiben *) mitgeteilt. Aber Bradhaw's Sendung verlief 
erfolglos. Noch bis zum endlichen Friedensschlusse mit Holland im 
Jahre 1654 blieben die englischen Reklamationen unerledigt. Dane- 
mark wurde bei dieser Gelegenheit nach einigen Schwierigkeiteii 
als Bundesgenosse Hollands in den Friedensvertrag mitaufgenommen, 
und bald darauf, am 15. Sept. 1654, kam zwisehen ihm und England 
ein Handelsvertrag zu stande, worin ausgemacht wurde, daB enghschc 
Schiffe nicht hoheren Zoll bezahlen sollten als die Schiffe anderer Na- 
tionen (ausgenommen Schwedens. das von jeder Zahlung belreit war).'-) 

Die Niederlande. Die Verwickelungen mit diesem Lande, dereii 
EinfluS auf die Verhiiltnisse der librigen Nationen bereits angedeutet 
worden ist, iiberwogen in den Jahren 1652 und 1653 an Bedeutuni; 
alle andern Gegenstiinde der enghschen auswiirtigen Politik. Seit 
Ende 1651 waren drei hollandische Gesandte Cats, Schaef, Van de 
Perre, spater auBerdem Adrian de Pauw, Grofipensionar von Holland, 
in London anwesend, um wenn moghch die Aufhebung der 
Navigationsakte zu erwirken und jedenfalls die Wolken zu verscheucheii, 
welche zwisehen den beiden Landeru schwebten. Grund zu Beschwerdeii 
batten die Generalstaaten genug. Der hollandische Handel mit England 
war durch das enghsche Gesetz lahm gelegt. Aber auch der Handel 
mit Frankreich war in Gefahr, durch das Vorgehen ,der englischen 
Admiralitatsgerichte gtinzlich ruiniert zu werden. Obgleich England 
mit Frankreich nicht oti'en Krieg ftihrte, stellte es doch Kaperbriefe 
gegen die franzosischen Handelsschiffe aus, und nach damals noch 
geltenden Grundsatzen iibten die Kaper das Recht (?) der Durcli- 
suchung neutraler Schiffe aus. um dem Feinde gehorige oder fiir 
ihn bestimmte Waren zu kontiszieren ; eine Praxis, die, wie audi 
die englischen Admiralitatsgerichte entscheiden mochten, unter alien 

1) ('. S. P. ehend., 469; M. IV. 484. XXXIII, Nov. 6, 1652. Uber Bradshaw s 
Reise, Dez., 1652— Febr., 1653, Mercurim Fditiem, 136-144, u. Thurloe 
-') Aitzema, III. 1091-95. 



— 21 — 



Umstiinden zu Ungunsten der neutralen Hollander ausschlagen muSte. 
Ein Krieg zwisehen den beiden Republiken schien unvermeidlich: 
liiil)en und driiben wurde geriistet. Noch waren freundhche Unter- 
liandlungen im Gauge. Da trat plotzUch die englische Regierung 
den Schadenersatzanspriichen der hollandischen Gesandten mit einer 
(iegenforderung fiir alte, den englischen Kaufleuten von den Hollandern 
zugeftigte Schadigungen gegenuber, deren Gesamtsumme sich 

jmf £• 1 6'81 816 15 sh. (d. h. nicht gam acht Millionen 

l^nd Sterling nach heutigem Gelde) belief; die Zinsen wurden 
auSerdem auf mehr als noch einmal so viel berechnet!') Der 
lateinische Ubersetzer dieses kuriosen Schriftstucks war Milton. Einem 
Biindnisvertrage zuzustimmen, — ein solcher war ein Jahr zuvor den 
Hochmr)genden angeboten, aber kurzsichtigerweise von ihnen ab- 
tjelehnt worden; jetzt wurde er wieder aufs Tapet gebracht — 
war man enghscherseits geneigt unter den weiteren Bedingungen 
der Beibehaltung der Navigationsakte, der Anerkennung der 
enghschen Suprematie auf den ,,Britischen Meeren^' durch Flaggen- 
streichen, des Monopols des Heringsfangs daselbst, u. s. w. Von dem 
(irundsatz: ,,die Flagge deckt das Gut", (den zum ersten Mai die 
Hollander im Jahre 1650 in einem Vertrage mit Spanien aufgestellt 
hatten), durfe keine Rede niehr sein. — Der Krieg war unaus- 
bleibUch. Noch ehe er formlich ausbrach, tauschten Blake und Tromp 
auf der Hohe von Folkestone am 12. Mai ihre Breitseiten aus. Erst 
am 30. Juni nahmen die hollandischen Gesandten ihren ceremoniellen 
Abschied. Am 7. Juli beschloS das Parlament die Kriegserklarung, 
die vom Staatsrat ausgearbeitet war, und befahl, dieselbe ins 
Hollandische, Franzosische und Lateinische 2) zu ubersetzen. 

Cromwell hatte als Wortfiihrer der Armee, die er zugleich 
l)efehHgte und im Parlamente vertrat, dem Kriege gegen die prote- 
stantische Schwesterrepublik nur widerwiUig zugestimmt und fruhzeitig 
alle Anstrengungen auf eine rasche Herbeifuhrung des Friedens 
uerichtet. Unterdessen aber trieben die inneren Parteikampfe einer 
neuen • Krisis zu. Er sah sich genotigt, das Rumpfparlament 

I) Bill of Claims upon the United Provinces for Old Damages done to 
Kuglish Traders by the Dutch, Marz 15, 1651-52; das Datum ist angegeben bei 
Geides, Hisfm-y of the Adminifitratim of John de Witt, I. 119. Nicht bei 
Skinnor. M IV. 482, XXVII. *) Declaration of the Causes of War with the 
iJutch, Juli, 1652. Die Ubersetzung ist von Milton nicht in seine Saramlung 
aufgenommen. ' Dafa sie von ihm herriihrt, ist aus innern Griinden wahr- 
f'cheinlich. Sie ist gedruckt „Londini, Typis Du-Gardianis, anno Domini, 1652." 
S. Hamilton, 20-21, und M. lY. 482. 



^ 32 -^ 



gewaltsam aufzulosen und, zuerst mit seinem Rat der Offiziere, dann 
mit Htilfe eines von diesem „nominierten" Parlaments der „Heiligen- 
(Barebones Parlament) eine voriibergehende Diktatur zu fiihren. 
Im Dezember 1653 legte dies Parlament seine Vollraachten in die 
Hande Cromwell's zurtick, iind es begann die Zeit, in der er als 
Lord Protektor die Geschicke Englands lenkte. Milton war uiul 
blieb sein begeisterter Anbanger. wenn er audi gewisse Kichtungeii 
seiner heimischen Kirchenpolitik nicht gutbeiSen konnte; und daS 
Cromwell ibn auch zu scbatzen wuBte, geht daraus bervor, daS er 
ibn bis zu seinem eigenen Ende im Amte behielt. 

III. Periode: Cromwell's Diktatur, Apr. 20, 1653 — Dez. 16, 1653; 
sein Protektorat — Sept. 3, 1658. 

92 Briefe (XLI~CXXXU): Juli 26, 1653 — Okt. 8, 1653; 
Juni29, 1654 -Juli 11, 1654; Sept. 4, 1654 — Apr., 1655; 
Mai 25, 1655 — Aug., 1658. 

Wie der Graf von Oldenburg so sucbte aucb sein naber Ver- 
wandter und Lebnserbe, der Herzog Friedrich III. von Scbleswi^^:- 
Holstein, Vorteile fiir sich und seine Untertanen von England zu 
erlangen durch seinen Gesandten, den Obersten Wirtz, der sich 
im Juli 1653 meldete und nach erlangter Salva Guardia am 
6. Jan. 1654 zugleicb mit Stockar, dem Agenten der Scbweizt^i- 
Kantone, seinen Abscbied erbielt. ') Als Zeugnis dieser Verbandlungeii 
6nden wir einen Brief des Staatsrats an den Herzog.'') 

Das nacbste Scbreiben"*) ist an die evangelischen Kantone 
der Scbweiz (Zurich, Bern, u. s. w.) gericlitet. Schon im Dezember 
des vorigen Jabres batten diese einen Gesandten, Stockar, abge- 
ordnet und durcb ibn der engliscben RepubHk freundschaftlich 
geraten, Frieden mit Holland zu scblieBen. Der Brief des Parlaments 
bestatigt den Empfang ibrer Briefe vom 24. Dezember und dankt 
ihnen fiir ihre freundHche Absicht aufs warmste, beteuert seine 
allgemeine Friedensliebe und setzt die Griinde auseinander, aus 
denen es dem wohlgemeinten Rate bisher nicbt babe folgen konnen. 
Der Ton des Scbreibens ist ein auSerordentlicb berzlicber und 



») C. S. P. 1653-54, 349. 2) c. 8. P. 1663-54, 52. Der Name des Herzo^rs 
wird im Register mit William angegeben. M. IV. 527, XLl. Masson rechiiet 
iirtiimlicherweise diesen Brief unter die Briefe an den oben erwahnten Grafen 
von Oldenburg. Der in der Uberschrift den iibrigen Titeln hinzugefiigtt 
Titel: „Comiti in Oldenburgh and Delmenhorst'* hat ihn zu dem Irrtum verleitet. 
Der Brief ist zu datieren Juli 26 (nicht Juli 2), 1663. 3) m. IV. 527, XLIl, 
Okt. 8, 1653. 



23 — 



achtungsvoller und verrat die Autorscbaft Milton's. Stockar, der 
mit diesem Scbreiben im November nacb Hause entlassen wurde, 
liatte zum ScbluS eine Abscbiedsaudienz bei Cromwell, in welcher 
dieser ihm mit Tranen in den Augen versicberte, nicbts auf der 
Welt bekiimmere ibn mebr als dieser Krieg.O 

Die freundlicben Beziebungen zu den Kantonen driickten sicb 
aucb in einem nachfolgenden Handelsvertrage aus und darin, daS 
Cromwell ibnen ein Scbiedsricbteramt bei dem Friedensvertrage mit 
Holland, 5. April 1654, zudacbte.^^) 

Im Sommer desselben Jabres bewarb sicb aucb der Graf von 
Oldenburg um die Vergiinstigung, nebst seinen Untertanen in den 
Friedensvertrag mit den Vereinigten Provinzen eingeschlossen zu 
werden, und zugleicb um die Erneuerung des alten Scbutzbriefes. 
Cromwell bestatigt in seiner Antwort"^) den Empfang von Brief en 
des Grafen und dankt ihm fur seine durcb eine Ges^ndtscbaft 
(Friedrich Matthias Wolzogen und Christoph Grypbiander) uberbrachten 
(iliickwUnsche zum Antritt des Protektorats ; das erwahnte Gesucb 
wird bereitwilligst gewahrt. Diesem mebr oftiziellen Scbreiben folgte 
ein zweites vertrauliches, in noch freundschaftlicheren und achtunijs- 
volleren Ausdriicken abgefaStes, ^) worin Cromwell mit viel Lobes- 
erhebungen des jungen Grafen Anton, (Reichsgrafen von Oldenburg), 
isedenkt, den sein Vater an ihn abgeordnet hatte. Zugleicb bedankt 
or sich fur das pracbtige Geschenk, ') das er ihm hatte zukommen 
lassen. 

Portugal. Von Portugal war im September 1652, nachdem 
(luimaraes so betriibt davongezogen war (s. S. 13), ein anderer 
<tesandter, Dom Joao Rodriguez de Sa e Menezes, Graf von Peneguiao, 
angekommen. dor nach langem Warten schlieSlich ein besseres Resultat 
orzielte. Er bot £ 50 000 als Ersatz fur die Verluste, welche die 
onglischen Kautleute wahrend Rupert's Anwesenheit in Lissabon 
erlitten batten, und bewilligte den engliscben Protestanten dieselbe 
Freiheit in rebgiosen Dingen, die Spanien verweigert hatte. Die 
einzige Schwierigkeit war, daS das Geld nicbt ankommen wollte. 
FndHcb einigte man sich iiber einen Zahlungsmodus. Der Vertrag 
<'i'oft'nete den Englandern den Handel mit alien iiberseeischen Be- 
sitzungen Portugals. Er batte fur den Gesandten aber ein trauriges 

>) Gardiner, II. 353. 2) Gardiner, II. 382, 371. ») M. IV. 635, XLV, 
liini 29, 1654. *) M. IV. 636, XLVI, gl. D. ») Ein Paar schone Kutschpferde, 
'lurch deren Durchgehen bei einer Gelegenheit Cromwell in ernste Lebens- 
• '^fahr gcriet. Gardiner, III 38-39; Winkelmann, 404; 4l4-15. 



-^ 24 — 



Nachspiel. Am 10. Juli erhielt er den Brief fftr seinen Konig'). in 
welchem der AbschluS des Vertrages gemeldet und dem Gesandten 
reiches Lob fiir seine Tatigkeit gespendetwurde; und an demselben Tatrp 
fiel das Haupt seines Bruders, Dom Pantaleon Sa, unter dem Schwert 
des Henkers auf Tower Hill. Kr batte, durcb einen vorhergehendeu 
Streit mit einem euglischen Oberst gereizt, mit 50 Bewaffneten auf 
offentlicher Promenade eine Pistolenszene berbeigefubrt, wobei ein 
ganzlich Unschuldiger erscbossen worden war. Der I'rotektor lieB in 
solchem Falle keine Berufung auf Gesandtenrecbt zu.-) 

Es dauerte ubrigens nocb ziembcb lange, bis der Vertrag vom 
Konig ratifiziert wurde. Der Hauptanstoi blieb die Bestimmung, dali 
engUschen Kauileuten und Seeleuten die freie Ausiibung ibrer Religion 
in ihren Hausern und auf ibren Scbiffen gestattet sein sollte. Der 
Protektor, der biervon niclit abgeben woUte, sandte Pbilip Meadows. 
Milton's Amtsgenossen, als (iesandten nacb Lissabon mit derWeisung. 
auf der Bestiitigung des Vertrages zu besteben und keinerlei Anderung 
zuzulassen. Meadows unterstiitzte seine Forderung mit einem nicht 
miSzuverstebenden Hinweis auf die in den portugiesiscben Gewassern 
kreuzende engliscbe Flotte. Darauf lieS sicb der Konig zu dem Zu- 
gestandnis berbei, den vorgescblagenen Artikel genebmigen zu 
wollen, wenn der Papst seine Einwilligung gebe, oder aber unter der 
Einscliriinkung : „so lange die Englander kein offentlicbes Argernis 
eiTegten". Die Antwort des Protektors auf diesen Vorscblag, den 
er als einen personlicben Scbimpf ansali, war der Befebl an die 
engliscben Admirale, nacb Lissabon zu segeln und bier auf die von 
Brasiben kommende portugiesiscbe Kauifabrteiflotte zu warten. Zu- 
gleicb muSte Meadows ein Ultimatum von 5 Tagen stellen. Vorhor 
aber war auf den engliscben Gesandten (wabrscbeinlicb aus Raclic 
von Peneguiao) ein Attentat veriibt worden, bei dem er eine leichte 
Verwimdung davongetragen hatte. Der Konig tat scbeinbar sein 
Moglicbstes, um die Verbrecber zu entdecken, und sebickte niclit 
weniger als 20 Arzte zur Behandlung des Verwundeten, der denn audi 
trotz ibrer Bemiibungen am Leben blieb. ScblieSbcb gab der Konig 
einige Tage nacb Ablauf des Ultimatums nacb, und die Ratifikatioiien 
wurden am 31. Mai ausgewecbselt. '^l Auf diese Vorgange beziehen 
sicb drei Briefe des Protektors,** die beiden ersten an den Koniir 
selber, der dritte an seinen Minister, den Grafen von Odemira. Der 

■) M. IV. 636, XLVII, Juli 10, 1664. 5*) Gardiner, II. 383-87. ») Gardiner, 
III. 474-77. *) M. V. 271, LXXXII; 273, LXXXVI; und 274, LXXXVII; alle divi 
dat. AuiT., 1656. 



— 25 



Protektor bestatigt den Empfang eines Briefes von Jobann IV. (vom 
'2r.. Mai), der ibm durcb Tbomas Maynard iiberbracbt !worden(sei. 
Er babe daraus erfabren, dafi Seine Majestat Nacbforscbungen uber 
die Scbuldigen an dem Attentat auf Meadows babe anstellen lassen, 
aber nicht, daS Verbaftungen vorgenommen seien. In sebr ernstem 
Tone dringt er auf eine strenge Untersuchung gegen die Morder sowobl 
wie deren Helfershelfer und Anstifter, sowie auf unnachsichtige Be- 
strafung aller Beteiligten. Die mit der Untersucbung Beauftragten 
niugten ebrbcbe und rechtscbaffene Leute sein. Der zweite Brief 
niunnt Bezug auf den Anfang Juni in Lissabon erfolgten Aus- 
tauscb der Vertragsinstrumente und begliickwiinscbt den Konig zu 
(lorn erfreu'icben Ausgang. Die von diesen nacbtraglicb in einem 
Briefe vom 25. Juni beantragten Anderungeu des Vertrages werde die 
engliscbe Regierung in woblwollende Erwagung ziehen ; sie liefien sicb 
vielleicbt abgesondert verbandeln. Aber man gebe zu bedenken, 
dafi auch geringfiigige Anderungen leicbt den ganzen Vertrag 
in Frage stellen konnten. Dem Minister laSt Cromwell Worte 
ehrender Anerkennung fur den Eifer, den er auf das Friedenswerk 
verwendet babe, zukommen. Zugleich scharft er ibm nocb einmal die 
notwendige Abndung des Verbrecbens ein. In einem spateren Briefe *) 
heglaubigt er bei dem Konig Tbomas Maynard als Konsul. — Meadows 
orwarb sicb scbliefilich nocb ein besonderes Verdienst dadurch, daS er 
die bewuSten £ 50000 eintrieb und nacb Hause sebickte. Sie fanden 
ihren Weg in den Staatsschatz des Protektors; ob auch in die 
Kassen der geschadigten Kaufieute, weiS man nicht genau. 

Auch mit der Konigin (Christine von Schweden hatte Cromwell 
durcb seinen Gesandten Whitelocke einen Handelsvertrag (Apr. 11, 
1^54) abgescblossen.2) Nacb ibrer Abdankung war ihr Vetter, Karl 
(Justav von Pfalz-Zweibriicken, als Karl X. auf den Thron gekommen, 
luul dieser gab gleicb nacb der Thronbesteigung seinen Wunsch nacb 
Aufrechterhaltung des Vertrages zu erkennen. Der Protektor dankte 
ilim in einem boflicben Schreiben, in dem auch der Konigin in sebr 
ehrender Weise Erwahnung geschieht. "') 

Spanien und Frankreich. Durcb den Sieg iiber seine machtigste 
Handelsrivalin, die hoUiindische Republik, und durcb die Handels- 
\ ertrage mit den iibrigen protestantischen Staaten sowie mit Portugal 
war England an die Spitze der kleineren Macbte Europas getreten. 
Fiir jede der beiden Hauptmiichte, Spanien und Frankreich, die 

') M. V. 289, XCI, Okt., 1656. *) S. dariiber Whitelocke, Journal of the 
<"rdish Embassy. ^) M. IV. 636, XLVIII, Juli 11, 1654. 



26 — 



— 27 — 



Ill 



allein noch aeit dem westfalischen Frieden den Krieg fortgesetzt 
hatten, wurde es immer wichtiger, sich die Unterstiitzung der 
machtigen Hepublik zu sichern. Schon langere Zeit hatten fran- 
zosisclie und spanische Gesandte wetteifernd um ein Bttndnis mit 
England gebuhlt. Bisher aber hatten die englischen StaatsmiiniKr 
zu keiner Entschhefiung gelangen konnen. Auch Cromwell schwankte 
lange ziellos hin und her. Die Begunstigung der Stuart'schen 
Koraplotte durch Frankreich, wo die vertriebene Konigsfamilie lebte, 
der unaufhorliche kleine Kaperkrieg zwischen den Angehorigen der 
beiden Nationen, die teilweise Bedriickung der franzosischen Huge- 
notten, mit denen Cromwell sympathisierte, alles dies zog ihn auf 
die Seite der Fronde und Spaniens. Von Spanien erwartete er HulfV 
zur Eroberung von Calais und bis zu dessen wirklicher Ubergal)e 
Diinkirchen als Pfand. Vor allem aber hielt er an zwei Bedingun^en 
fest: Freie Religionsiibung fur die in den spanischen Besitzun^eii 
lebenden Englander und Freiheit des Handels nach Westindieii. 
Davon wollte Cardenas, der damalige Gesandte, jedoch nichts wisseii. 
Das heme, sagte er, seines Herrn beide Augen fordern. Der spanische 
Premierminister Luiz de Haro kam nun auf den Gedanken, dafs der 
bisherige MiSerfolg vielleicht an der Person des Gesandten lage. 
Er beschloS also, eiuen neuen Gesandten zu schicken. und zeigte das 
dem Protektor an. In einem fiir den Minister schmeichelhafteii 
Briefe*) erkliirte sich derselbe ihm gegenuber bereit, den kiinftigen 
Abgesandten zu empfangen. und betonte seinen Wunsch, mit Spanien 
befreundet zu bleiben. Das waren aber blofie diplomatische Hoflicli- 
keiten, dazu bestimmt, die Waclisanikeit der Gegner einzuschliifeni. 
Im geheimen riistete Cromwell bereits eine Flotte fur die Falirt 
nach Westindien aus. Dor Wunsch, fiir die spanisclien Willkiirlirh- 
keiten und Ubergriffe in den Gewiissern der Sildsee Rache zu 
nehmen und die enghsche Macht iiber die Meere hinaus zu er- 
weitern, auch die Aussicht auf augenblicklichen, bei Spaniens 
Schwache leicht erreichbar scheinenden Gewinn, nicht aber die 
Rucksicht auf die protestantischen Interessen, waren die eigentlichen 
Triebfedem dieser Politik; zugleich sah freilich Cromwell diesen 
Krieg als einen Kreuzzug gegen Inquisition und I*apst, den „Anti- 
christen", an. 

Ende Januar 1654 segelte die gegen Westindien bestimmt.' 
Flotte ah. Trotzdem wurden den ganzen Winter hindurch mit dem 

') M. V. 165, XLIX, Sept. 4, 1654. 



spanischen Gesandten freundliche Verhandlungen gepflogen- und 
Blake genoS mit seinen Schiffen im Mittelmeer Spaniens freundliche 
Tnterstutzung gegen die Piraten von Algier und die Kaper von 
Frankreich. Dann aber traf derselbe im Mai 1655, wahrend sich 
im femen Westen die Eroberung Jamaicas vollzog, auf geheime 
Weisungen hm alle Vorbereitungen, das Auslaufen von spanischen 
Schiffen aus spanischen Hafen zn verhindern und die heimsegelnde 
spanische Silberflotte abzufangen. Ende Juli wurde das Vorgehen 
Englands gegen Westindien bekannt, und der offene Krieg brach aus 
Am 26. Oktober, einen Tag bevor der spanische Gesandte London 
verhefi, veroffentlichte der Protektor ein Manifest zur Rechtfertigung 
semes Bruches mit Spanien. Es wird immer unter den Prosawerken 
Mdton's aufgefiihrt, obgleich es nicht feststeht, welcher Anteil an 
der Ubersetzung ihm zuzuschreiben ist. 

Die Reihenfolge der Milton'schen Briefe fiihrt uns nun zuriick 
zu den protestantischen Staaten. 

Bremen und Schweden. Bremens Selbstandigkeit wurde seit 
Anfang 1653 von Schweden bedroht, welches durch den west- 
Mischen Frieden das Bistum Bremen erworben hatte und, auf eine 
iniklare Bestimmung desselben gestutzt, der Stadt ihre Reichsfreiheit 
nut Gewalt zu entreifien suchte. Nach langerer EinschlieSung durch 
schwedische Truppen und nach vielfaltigen Vermittelungsversuchen 
der benachbarten Fursten gelang es endlich dem grofien Kurfursten 
omen Waffenstillstand zwischen den streitenden Parteien herbei- 
zufuhreii. Wahrend desselben wandte sich die Stadt durch ihren 
Ajrenten, Milton's Freund Heinrich Oldenburg, auch an Cromwell 
uud bat ihn um seine Vermittelung. Er sagte sie in den fi-eund- 
lichsten und achtungsvollsten Ausdriicken zu.^) Lebhaft bedauere er 
so heifit es in seiner Antwort, das zwischen der Stadt und deni 
piotestantischen Schweden entstandene Zerwurfnis. Nichts wunsche 
<T drmgender, als daS alle protestantischen Staaten durch briider- 
liohe Einmutigkeit und Eintracht endlich zu einem Ganzen zusammen- 
wachsen mochten. Seinem Versprechen gemafi schreibt er dann an 
'" '''''!^'*'^'^'' ^^""^-'^ ^"^ ^^^""''^ "^^ '^^'^ warmsten Freundschafts- 

») C. S^ P. 1655, 397; M. V. 240-43. Der Titel ist: Scriptum Dom. 
^oectons Reipublicee Anglic, Scotia. Hibernise, &c., ex Consensu atque 
Nententia Concilii Sui Editum, in quo Hujus Reipublicse Causa contra Hispanos 
justa ease demonstratur, 1655, 20 S. gr. 40. S. auch Gardiner, III. 400-404 
wtlcher den urspriinglieben Entwurf Fiennes zuschreiht. ^ M V 166 l' 
Okt. 25, 1654. 3) M. V. 166, LI, Okt. 26, 1654. ^ • • » , 



— 28 — 



— 29 



beteueruiigen, kommt sodanu auf die entstaiidenen Streitigkeiteii zu 
sprechen und bedauert, daS Schweden nacli dem westfalischen Friedeii 
gegen die bisher von ihm geschiitzten Glaubensgenossen zu den 
Waften habe greifen miisseii; spielt auf die Gefahren an, die dem 
uneinigen Protestantism us von seiten des Fapsttums drohen ; wunscbt. 
daS der eingetretene Waffenstillstand zu einem fur beide Telle 
giinstigen Ausgang fiihren moge, und bietet seine Dienste zu ein(Mn 
Ausgleich an. 

Wohl mebr dem Einfiufi Brandenburgs als Englands war es zu 
danken, daB Bremen durch den Stader Vergleicb (Nov. 28, IG54) 
vorliiutig einige Rube bekam.') Wie dem audi sei, man siebt schon 
aus diesem Beispiel, wie Cromwell seine Stellung gegenuber den 
protestantiscben Staaten auffaflte. Er woUte als Protektor nieht 
bloS Englands, sondern der protestantisclien Welt gelten. Es war 
das ein idealer Zug in seiner PoHtik, der freilicb den berrscbendon 
politiscben Zeitstromungen wenig entspracb und daber zu mancberlci 
Enttauscbungen fiibreu mutite. Zur Kennzeicbnung fur diese Denkart 
und zugleicb fur sein damaliges Verbaltnis zu Frankreicb dient ein 
an Cbarles Henri de la Tremouille, Prinzen von Tarent, einen von 
Conde's Imgenottiscben Offizieren, gericbteter Brief''). 

Dieser batte sicb zu der Zeit, als sicb Cromwell mit dem 
Gedanken trug, mit Conde und Spanien gemeinscbaftbcbe Sacbe zu 
macben, und zugleicb auf einen Aufstand der franzosiscben Hugenott( ii 
recbnete (1654), dem Protektor brietiicb genabert, urn ibn fiir die 
Sacbe der franzosiscben Protestanten zu erwarmen, und war von 
ihm als Flibrer der Aufstandiscben ins Auge gefaBt wordcn. 
In seiner Antwort lobt Cromwell die Gesinnungen des Prinzen inid 
beteuert seinen lebbafteii Wunscb, der Sacbe der reformierten 
ReHgion dienen zu kiinnen. Irgendwie gxeifbare Versprecbungen 
eiitbiilt der Brief aber nicbt. 

Unterdessen vollzog sicb der Brucb mit Spanien, und dim 
Biindnis mit Frankreicb waren die Wege geebnet. Gegen Mitt(> 
Mai 1655 schien der AbscbluS desselben nabe bevorzusteben. l>a 
traf plotzlicb aus Genf und der Daupbine eine Nacbricbt ein, welche 

1) A. Kijcher, Bremens Kampf mit Schmden um seine Reiehsfreiheit 
(Hansische Geachichtsbliitter, Jahrg. 1882, V). '^) M. V. 175. Lll. Apr. 4, 1656. 
Kami das Jahresdatum richtig sein? s. Gardiner, II. 426. Memoires du Prince 
de Tarmte, 170: Mr. Stouppe (der englische Agent) m'assura iia'il avoit chai<?e 
du proteeteur de me promettre tout ee qui puuvoit dependre de lui, si jt* 
voulais me mettre a la t6te des protestants lorsqu'll seroit temps d'ajj;ii'. 



die Verbandlungen ins Stocken bracbte: die Nacbricbt von dem 
Blutbad der Waldenser. 

Die Waldenser. Die Uberreste der Waldenser batten sicb 
aus den Albigenserkriegen in einige bocbgelegene Taler der 
pieraontesiscben Alpen zu retten vermocbt, und batten nacb man- 
cherlei Cbikanen von ibrem Landesberren, dem Herzog von 
Savoyeu, die Erlaubnis erbalten (1561), innerbalb gewisser fest- 
oesetzter Grenzen ibrem alten Glauben oder dem calviniscben 
Bekenntnis, das sie nacbtraglicb annabmen, nacbleben zu diirfen. 
Dieser Zustand nabm unter dem regierenden Herzog Emanuel II. 
ein Ende. Die Bekebrungsversucbe katboliscber Missionare wurden, 
wenn aucb vergeblicb, erneuert. Anderseits wagten es die Waldenser, 
die vorgescbriebeneu Grenzen zu iiberscbreiten und sicb in der 
Ebene niederzulassen. ScblieBlicli erlieS der Herzog mitten im 
Winter (25. Januar 1655) ein barbariscbes Ausweisungs-Edikt, 
wonacb alien waldensiscben Famiben, die auSerbalb der Grenzen 
wolinten, befoblen wurde, ibre Wobnsitze binnen 3 Tagen bei Todes- 
strafe und Verlust ibres Vermogens zu verlassen, wofern sie nicbt 
binnen dieser gleicben Zeit den Entscblu(3 kund giiben, Katbolikeu 
werden oder ibr Eigentuni an Katbobken verkaufen zu wollen; 
zur Ausfiibrung des Entscblusses wurden 20 Tage bewilligt. Vor- 
stellungen balfen nicbts. Im April wurde das Dekret mit Waffen- 
uewalt durchgefiibrt, der anfangbcbe Widerstand niedergescblagen 
und sodann gegen die webrlose Bevolkerung mit Scbwert, Feuer 
und unmenscblicben Martern gewiitet. Viele der Flucbtlinge kamen 
tlurcb Kalte, Hunger oder Lawinen um.O Ein Scbrei des Ent- 
sotzens ging bei der Kunde von diesen Greueln durcb die ganze 
l)rotestantiscbe Welt. 

In London bewirkte sie den sofortigen Stillstand der Ver- 
bandlungen mit Frankreicb; denn es wurde zugleicb gemeldet, Iran- 
zosiscbe Truppen batten an dem Blutbad teilgenommen. Eine Auf- 
kiarung dariiber seitens der franzoscben Eegierung erscbien unbedingt 
notig. Zugleicb aber wurde eine umfassende diplomatiscbe Aktion 
in Szene gesetzt. Am 25. Mai, etwa 14 Tage nacb Empfang der 
Nacbricbt, gingen aus dem Kabinet des Protektors 8 Briefe in der 
Aagelegenbeit an verscbiedene Staaten und Ftirstenbofe. Dies sind 
die berubmten Waldenserbriefe Milton's. 

4) Muston, VIsrael des Alpes, II. 261-94; Ciaretta, Storia del regno e dei 
fmpi di Carlo Emmanuele II., I. 75-91; Morland, History of the Evangelical 
Churches of the Valleys of Piemont (1658), 237-428. 



— 30 



— 31 — 



Zunaclist versuchte man, dem Herzog von Savoyen ins GewissiM, 
zu reden und ilin zu veranlassen, daB er das Edikt zuriickzielien 
und so viel wie moglich das begangene Uurecht wieder gut niachcn 
uiochte. Mit diesem BriefeV) wurde als Gesandter Samuel Morlaud 
au den savoyischen Hof gescliickt Derselbe nahm eineu zweitcn 
Brief an den Konig von Frankreich'^) und einen dritten an Mazarin'i 
mit auf die Reise. Cromwell versicherte den Konig in vorsichtigen Aus- 
driicken, die erhaltene Nachriclit von der Teilnalime franzosischer 
Truppen erscheine ilim unglaublicli, und bat ihn, scnnen EinHuB \m 
dem Herzog aufzubieten, daniit das Gescheliene wieder gut gemacht 
werde. Den Minister ennnerte er an seine eigene tolerante Praxis 
und gab zugleich zu verstehen, datj der AbschluS eines Vertrages vun 
einem Eingehen auf seinen Wunseh in der waldensischen Angelegenheit 
abhange. An die protestantischen Fursten schrieb er in einem andem 
Stil. Die Idee, eine Liga zum Schutze der protestantischen Interessen 
zu bilden, hatte ihm schon immer vorgeschwebt, jetzt suchte er sie 
zu verwirklichen Die Konige von Schweden,*) von Dauemark,^ die 
Generalstaaten,") die protestantisclien Schweizer Kantone/) ja audi 
den Fursten von Siebenbiirgen^) (Georg II. Rakoczy), der sich ihm 
vor kurzem geniihert hatte, — alle ruft er mit kraftigen Worteii 
zu einem Zusammenwirken in der gemeinsamen Sache auf. 

Damit aber lieB es Cromwell nicht genug sein. Es wurde in 
England ein allgemeiner BuBtag („day of humiliation") auf deii 
14. Juni angesefzt, und die euglischen Protestanten zu einer Sammluiig 
fiir die uberlebenden Waldenser aufgefordert. Der Protektor stellte 
sich selbst mit £• 2000.— (= £ 7500 nach heutigem Gelde) an 
die Spitze der Sammlung und brachte in kurzer Zeit ungefiihr 
£ 40U00 (= etwa £ 137 000) zusammen, wovon £ 17 872 als 
Reservefonds in der Hand der bestellten Kassenbeamten bliebrn. 
£ 2000.— (Cromwell's eigener Beitrag) wurden an die IStadtbehonUii 
von Genf zur sofortigen Verteilung angewiesen.^) 

Inzwischen war Morlands Sendung nicht ohne Erfolg gewesen. 
Er erreichte den franzosischen Hof in La Fere am 1 Juni. Am 

) M. V. 184-88, LIV, Amtliche Kopieii von diesem wie eioigeii dvY 
folgendeii Briefe im Record Office. Hamiltou, 15; Morland, 572-674. Sk. 
hat das Datum: May 10. 2) m. V. 189, LVllI. Nur in Sk. : Hamilton, i: 
Morland, 564-65. 3) m. V. 189, LIX. *) M. IV. 189, LVI ; Morland, 554-57. 
^) Ebend. LVII; Morland, ebend. •) Ebend. LX; amtl. Kopie: Morlanl 
558-60; das Datum von Thurloe, I. 185. ») M. V. 188, LV ; amtl. Kojur 
Morland, 561-62. Sk, und Dmcke datieron : May 19. ») M. V. 190, lAI. 
») M. V. 190, LXII, Juni 8, 1655. 



i.achsten Tage wurde ihm Ludwigs XIV. Antwort ') eingehandigt. 
Der Konig versicherte, seine Truppen seien ohne sein Vorwissen 
verwendet worden; er habe sein Mifjfallen dariiber bereits aus- 
gedruckt und Befehle gegeben, daB diejenigen FluchtHnge, welche 
aut franzosisches Gebiet iibergetreten waren, freundlich behandelt 
werden sollten. Er wolle fortfahren, bei dem Herzog Fursprache 
(iiizulegen, daS dieser die unglucklichen Waldenser innerhalb der ihnen 
durch die fruheren Vertrage gestatteten Grenzen wieder einsetze. 
Die Korrespondenz zwischen dem Konig und Cromwell zeigt deutlich, 
daB sie sich beide des durch den westfahschen Frieden geheiligten 
Grundsatzes bewufit waren, wonach kein Furst fiir die Behandlung 
der Rehgionsfragen in seinem Lande einer fremden Maclit Rechen- 
scliaft schuldig sein sollte. Oomwell hatte sich jedenfalls eine 
fremde Einmischung in die Sache der irischen Katholiken grundlich 
verbeten. 

Servien, der franzosische Gesandte in Turin, welcher, freilich 
mit Unrecht, beschuldigt worden war, zu der Verfolgung angestachelt 
zu haben, machte auf Mazarin's Geheifi bei dem Herzog, oder viel- 
nielir der Herzogin Mutter, — denn sie war es, die statt ihres fruh 
(1()48) mundig gewordenen Sohnes die Regierung fiihrte, — Vor- 
stellungen im Geist der Versprechungen, die Cromwell gemacht 
worden waren, fand aber zunachst nur taubes Gehor.*^) Bald darauf 
erschien Morland mit seinem Schreiben und verlas in seiner Audienz 
(14./24. Juni) eine lange lateinische Rede,"^) in welcher die Emporung 
iil»er die verubten Greuel noch starker durchklang, wenn auch mit 
diplomatischer Zuruckhaltung an der Annahme festgehalten wurde, als 
batten die Truppen ohne Befehl der Herrscher so schlimm gehaust. 
Div Herzogin erwiderte : sie bedaure, dafi man den Protektor durch 
falMhe Bei-ichte getiiuscht habe iiber das. was in Wirklichkeit eine 
viiterliche und gelinde Zuchtigung von Rebellen gewesen sei.') Doch 
^'('lobte sie, auf die Fursprache des Protektors liin die Re- 
bellen zu begnadigen. Mit diesem Bescheide verhefi Morland am 
^'^' '^^l!^"^' "^^ "^^^ ^^^ ^^ ^'^^^^'"- Cromwell jedoch, keineswegs 
') Guizot, II. 522; Morland, 566-67, gibt eine Ubersetzung. ») Christina, 
1 o.hter Heinriclis IV. von Frankreich , Schwester von Henrietta Maria von 
I'-Moland. 3) M, V. 186-88. Amtliche Kopie im Record Office, und Morland, 558-61 
•mil engl. Ubersetzung) Die beiden Versionen unterscheiden sich in einigen 
wcbontlichen Punkten. Die letztere iet ein Abdruck der tatsachlich von Mor- 
iand gehaltenen Rede. Nicht in Sk. und den lat. Drucken. Die Verfasser- 
^<haft Milton's bez. der ersteren scheint zweifellos. *) Herzogin von Savoyen 
an Mazarin, Apr. 27/Mai 7, Arch, des Aff. Etrangeres, Savoie, XLIX, fol. 234. 



^~" iiiZ — - 



— 33 



mit dem Erreicliteii zufi-iedeii, setzte noeh weitere Hebel in Bo- 
wegung. Die protestantischen Schweizer Kaiitone und die Geiieral- 
staaten schickteii Bevollmachtigte. Fell, Cromwell's staudiger Agent 
in der Schweiz, wurde aiigewieseii, Morland zu uuterstutzen. Endlich 
wurde von London aus noch eiu dritter Agent, George Downing, ab- 
gesendet, der seinen Weg iiber Paris nahm und deni Konig') imd 
Mazarin^) weitere Schi-eiben uberbrachte. Cromwell wiederholt seinuii 
friiheren Wunsch und bittet um Bestrafting der schuldigen Ofiiziere 
so wie um Gewiihruug von Unterkunft fiir diejenigen Waldenser, die 
auf franzosischen Boden iibergetreten seien. Der Brief an den 
Kardinal ist nur ein Emi)fehlungsbrief fiir Downing. 

Mazarin's Anstrengungen wai'en mittlerweile wirksamer gewesen. 
Er wies bei der Herzogin auf die Gefalir bin, die Savoyen von den 
durch engliscbes Geld unterstlitzten Schweizern und franzosischtMi 
Hugenotten drolie. Tatsacblich wurde in London auch ein Angriff 
der englischen Flotte auf Nizza und V'illafranca erwogen. Endlich 
liei man sicli zu dem verbeitjenen Pardon berbei (zu Pinerolo am 
8. August), welcher die friiheren (irenzen um ein kleines erweiteitc 
und die Frist fiir die VerauSerung des Eigentums fiir diejenigen, 
die auSerhalb der Grenzen wohnten, verlangerte. Das war alles. bm 
hinzugezogenen Abgesandten der Waldenser stimniten zu. Aber 
dank einer Intrigue des franzosischen Gesandten wurden die Unter- 
schriften der fremden Unterhandler dem Dokumente nicht beigefiiijt. 
wie ursprunglich verabredet war. sodaii es nicht als ein erzwungener. 
sondern als der freiwillige Gnadenakt des Herzogs erschien. Es war 
der Form wie der Sache iiach nur ein labmer Erfolg der Crom- 
welFschen Politik. 

Die Schandtaten blieben ungesuhnt, der irdischen Gereclitigkiit 

war keine Geniige gescheheu. Daher rief der blinde Dichter tlie 

Rache des Himmels an: 

Avenge, Lord, thy slaughtered saints, whose bones 
Lie scattered on the Alpine mountains cold; 
Even them who kept thy truth so pure of old, 
When all our fathers worshiped stocks and stones,') 

Forget not: in thy book record their groans 
Who were thy sheep, and in their ancient fold 
Slain by the bloody Piemontese, that rolled 
Mother with infant down the rocks. Their moans 



1) M. V. 190, LXIII, Juli 29, 1665. '^) Ebend. 191, LXIV, gl. I). =*) Man 
glaubte damals, die Waldenser batten die Uberlieferung des Urchristenturns 
von der Zeit der Apostel an bewahrt. 



The vales redoubled to the hills, and they 

To heaven. Their martyred blood and ashes sow 
O'er all the Itahan fields, where still doth sway 

The triple Tyrant; that from these may grow 
A hundredfold, who, having learnt thy way, 
Early may fly the Babylonian woe.') 

Nachdeni so der Stein des AnstoSes zwischen Frankreich und 
Kngland weggeraumt war, stand dem Abschlufi ehies Freundschafts- 
vertrages nichts mehr ini Wege. Er wurde am 24. Oktober 1655 
uiiterzeiclmet und war das Vorspiel zu einem engeren Bundnis, 
welches aber erst ein Jahr spiiter gegen Spanien zu stande kam. 

Das Schicksal der Waldenser beschiiftigte Cromwell bis wenige 
^ronate vor seinem Tode. Der Vertrag von Pinerolo wurde gebrochen, 
(lie ungluckhchen Bauern wurden in der alten Weise gedrangsalt, 
und es schien ein neues Blutbad in Vorbereitung zu sein. Noch 
einnial wandte sich der Protektor an Ludwig XIV. Li einem Brief,-) 
der zu den Perien der Milton'schen Beredsamkeit gehort, beschwo'rt 
er den Allerchristlichsten Konig, das grauenvolle Unheil abzuwenden. 
Kr erinnert ihn an das Edikt, das sein Grofsvater, Heinrich IV., zu 
gunsten der Waldenser eriassen habe. Vielleicht lasse sich ein 
Gebietsaustausch mit Savoyen zu ihrem Vorteil bewerkstelligen. 
Wenn nicht, so moge er ilmen wenigstens Schutz und Zuflucht 
jiewahren. Der Brief wurde an den englischen Gesandten Lockhart 
zur Besorgung geschickt und hatte, von dem vorgeschlagenen (lebiets- 
austausch abgesehen. vollen Erfolg. denn er wurde dem Kcinige 
unmittelbar nach der Schlacht bei Dunkirchen eingehandigt, die 
durch die Hulfstruppen seines grofsen Verblindeten gewonnen ward.') 

Die Schweiz. Auch die protestantischen Schweizer Kantone 
wurden wieder aufgefordert, in ihrem eigenen Interesse fur ihre 
verfolgten Glaubensgenossen einzutreten.^) Grofie Neigung dafiir war 
freilich bei ihnen nicht vorhanden. Audi in ihrem Lande batten 
Mnt 1653 fortwahrende Reibungen zwischen den kathohschen und 
l)rotestantisclien Kantonen stattgefunden, welche die Eidgenossenschaft 
m sprengen drohten. Im Jahre 1655 vertrieb der kathohsche Kanton 
^^chwyz, wohl durch das Vorgehen von Savoyen mit veranlafit, seine Pro- 

') Das Sonett entstand wobl um Mittc August, als die Kunde von 
dvm Vertrage von Pinerolo nach London gekomraen war. Masson, V. 191, setzt 
^^ friiher an. ^) M. V. 387-89, CXX, Mai 26, 1658. •'') Burnet (ed. 1823), I. 132; 
letters of Doiming etc. in Tliurloe, Vol. VII; Carlyle, III. 357-65. ♦) M V 
389, CXXI, Mai 26, 1668. 



0. R. V. d. Holatentore. iyo3. 



a 



— 34 — 

testanten und zog ihre Giiter ein. Auf die VorsteUung der pro- 
testantischen Kantone, in denen die Fluchtlinge Aufnahme gefiindeii 
hatten, erwiderte Scliwyz, es sei ein unabhangiger Staat und babe 
das Recht, seine Untertanen so zu behandeln, wie es ihm bebebe. 
Durcb Pell und Morland, die engliscben Agenten in der Schweiz, 
bracbten die protestantischen Kantone ibre Bescbwerden vor, und der 
Protektor antwortete in einem ausfiibrlichen, ermutigeiiden Brief. 'J 
Seine Beschllisse in ibrer Angelegenbeit werde Pell mitteilen. Sie be- 
staiiden in dem Angebot eines Darlehens an Ztirieb und Bern von 
£ 'iOOOO. — , gegen Sicberheit, in monatlicben Eaten von £ 5000.—. 
von denen die erste sofort ausgezablt werden sollte. Diese Absicbteu 
wurden jedoch vereitelt durcb einen Frieden, den die Scbweizer uuter 
franzosiscber Vermittehmg scblossen, und durcb welchen jedem Kantoii 
das Recbt gewabrleistet wurde, mit seinen Untertanen nacb seineiu 
Belieben zu verfabren. Der Grundsatz „cuius regio, eius rebgio" 
wurde also aucb bier anerkannt. 

Schwedeu mid der nordische Krieir 
Ftir keinen der kontinentalen Herrscber empfand Cromwell 
groSere Sympathie als flir den jungen Scbwedenkonig Karl X. Gustav, 
den Neffen des groSen Gustav Adolf. Als dieser im Frubbng des 
Jabres 1655 mit einem Angriff auf Polen drobte, erscbien er ibm nh 
Vorkampfer des Protestantisnius gegen eine papistiscbe Nation. In 
WirWicbkeit freilicb batte er ganz andere, selbstsuchtige Beweggriinde. 
flir welcbe der Erbfolgestreit zwiscben ihm und Jobann Casiniir 
wegen der Nacbfolge in Schweden nur als Vorwand diente. Das 
alte Projekt der Wasa. die Vereinigung der baltischen Kustenlande 
unter scbwediscbem Zepter, war sein Ziel. Ein Bundnis mit England 
batte naturgemafi groSen Wert liir ibn. Er scbickte zunachst den 
Gesandten Coyet ab, um den Wbitelocke'schen Handelsvertrag vom 
Jabre 1654 bestiitigen zu lassen und zugleicb um die Erlaubnis zur 
Aushebung von Truppen zu erwirken. Die Verbandlungen zogcu 
sicb jedoch in die Liinge. In Cromwell's Staatsrat uberwogen 
praktiscbere Rllcksicbten, denen aucb der Protektor selbst sicb nielit 
verscblofi: die Sorge um das engliscbe Handelsinteresse, das durcli 
etwaige Erfolge Scbwedens im baltiscben Meere bedrobt scbien. Der 
EinfluB der Geiieralstaaten, die ftir ihren eigenen Handel zu fiircbteii 
Ursacbe batten, macbte sicb geltend. Die Scbwierigkeiten wucbseu 
noch, als ein neuer scbwediscber Abgesandter, der Graf Cbrister 

»; M V. 244, LXYllI, Jan. 165a-5G. 



-^ 35 — 

Bonde, im August in London erscbien, also zu einer Zeit, wo der 
Konig scbon im Siegeslaufe Polen durcbzog. Die Gesandtscbaft wurde 
mit den grofiten Ebren empfangen. Inmitten der Verbandlungen, die 
sicb nun entspannen, kam vom scbwediscben Konig durcb einen 
expressen Brief die Anzeige. da6 ibm vm Thronerbe geboreu sei, was 
Veranlassung zu einem liberscbwanglicben Gluckwunscbscbreiben') des 
Protektors bot. Karl X. wird da mit Alexander dem Grofien ver- 
obcben, seine Siege iiber die Polen werden mit der Hoffnung begriiSt, 
(lafi es ibm gelingen werde, dem Tier der xAi)okalypse (dem Papismus) 
ein Horn (Polen) zu entreifien; der Friede, den er mit Branden- 
burg^) „zur grolaen Befriedigung aller Frommen-' gescblossen, wird 
mit Freude willkommen gebeiSen. 

Coyet wurde vor dem Ende der Verbandlungen abberufen 
und erhielt seinen Abscbied mit einem Brief an den Konig, ^) 
der seiner Tatigkeit grofie Anerkennung zollt. Er wurde nocb 
vor seiner Abreise in liesonderer Weise durcb Verleibung der 
Ritterwtirde und kostbare Ebrengescbenke ausgezeicbnet. Bonde, 
der am Hofe des Protektors sebr selbstbewuSt auftrat, batte 
mehrfacb Ursacbe, iiber den langsamen Gang der Gescbafte zu 
klagen. Einmal bielt er sicb dariiber auf, daS er auf eine 
lateiniscbe Ubersetzung der Artikel des Vertrags 14 Tage lang 
babe warten miissen und zeigte sicb unzufrieden, weil ein blinder 
Mann (Milton) mit dieser Arbeit betraut worden sei. Man entscbuldigte 
dies mit der Abwesenbeit Meadows', der damals auf seiner Mission 
in Portugal war.*) 

Cromwell, in der irrigen Meinung, daS ein allgemeiner Angriff 
seitens der katboHscben Macbte auf die protestantischen im x\nzuge 
sei, hatte am liebsten die letzteren zu einer Union unter Englands 
Fiihrung veranlaSt; aber er fand bei diesen keine Gegenliebe. 
Schweden wie Holland standen sicb in der Ostsee eifersucbtig 
gegenuber und suchten jedes fiir sicb und gegeneinander Englands 
Hiilfe zu gewinnen, die die Repnblik nicht gewabren konnte. Unter 
diesen Umstanden war an eine griindlicbe Verstandigung nicht zu 
denken. Der Vertrag, der scblieSlicb mit Schweden zustande kam, 



*) M. V. 246, LXIX, Feb. 7, 1655-56. Das Datum gibt, nach dem Original- 
dokument in Stockholm, Carlbom, Sverige och England, 62, Anm. 4. -') Vertrag 
/u Konigsberg, Jan. 17, 1656: Brandenburg nimmt PreuSen und Ermeland 
\on Schweden zu Lehen. "') M. V. 252, LXXIV, Apr. 17, 1656. *) Whitelocke, 
Memorials, TV. 257, dessen Bericht iiber die schwedische Gesandtscbaft iiber- 
haupt sehr lesenswert ist. 



3* 



36 — 



(17. Juli 1656), beschraiikte sidi auf die Wahrung der gegeiiseitigen 
Haiidelsiiiteresseii. Boiide wurde mit den hochsteii Ehreu eutlassen. 
Der Begleitbrief an den Konig ') erwahnt, daB in kurzem eiiie Sondc^r- 
gesandtschaft iiach Stockliolni abgelien werde, urn die noch iibrigen 
Piinkte zu erledigen. 

Die Niederlande batten von England das gewiinscbte Biindnis 
gegen Schweden nicht erlangen ktinnen. Sie sucliten und faiulcn 
einen andern Verbundeten in der Person des GroBen Kurflirstcn, 
dessen Interessen sicli mit den ibrigen zuni Teil deckten. Sie scblossen 
mit ihra am 17./i27. Juli 1655 ein Defensivbundnis fiir den Fidl 
eines scbwediscben Angrilis auf die preuSischen Ostseebafen. AUeiu 
ibr Kriegseifer erlabmte bald. Sie blieben untatig, HeSen es an 
den versprocbenen Hiilfsgeldern und Hiilfstruppen feblen und triebeu 
dadurch sebbeBlicb den Kurfiirsten zu einer Verstandigung mit dem 
scbwediscben Gegner durcb den erwabnten Konigsberger Vertrag. 
der spater zu einem formlicben Offensiv - Biindnis gegen Polen 
(Marienburg, 25. Juni 1656) erweitert wurde. In der dreitagigeii 
Warscbauer Scblacbt (28. — 30. Juli 1656) erfocbten brandenburgisclie 
und scbwediscbe Truppen einen glanzenden Sieg iiber die polniscbiu 
Streitkrafte. 

Die Niederlander batten sicb unterdesseu aufgerafft und cine 
Kriegsflotte in die Ostsee geschickt, welcbe die Ireie Scbitfahrt er- 
zwang und Scbweden notigte, die Belagerung von Danzig aufzuheben. 
Jetzt aber muBten sie docb wieder einlenken. Es kam zu dem Ver- 
trage von Elbing, 1 1 . Sept. 1 656, welcber das (ileicbgewicbt zwischeii 
den beiden Seemacbten in der Ostsee einigermaBen berstellte. 

Auf die dem Elbinger Vertrage vorbergebende feindliche Haltuii^^ 
der beiden Staaten bezieben sicb 2 Briefe,'') in denen Crom\v(41 
seine Vermittlung zwiscben ibnen iinbietet. Er bedient sicb dabii 
der gewobnten Argumente : die I'lieinigkeit der Protestanten reizc 
die Angriffsgeluste der katlioliscben Gegner; der I'rotestaiitismus ^(•i 
von alien Seiten bedrobt. Die Generalstaaten warnt er besonder» 
eiudringUcb vor den Absicbten der Spanier. — Der entscbeidende 
Veraiittler und Friedensstifter aber war diesmal der Grofie Kurfiirst. 
und die Erwagungen, welcbe zu der Einigung fiibrten, waren ganz 
anderer als konfessioneller Natur. 

DSnemark. Eine abnbcbe Sorge beschiiftigte den Protektor 
drei Monate spater. Aucb Danemai'k batte, besonders al> 

t) M. V. 270-71, LXXXI, Juli, 1656. '^) M. V. 272, LXXXV, an dii 
Cieneralstaaten, und 274, LXXXVIII. an Schweden, Aug., 1656. 



37 — 



Karl Gustavs Kriegsgltick im Laufe des Jabres 1656 sicb zu wenden 
begann, den Zeitpunkt fiir gekommen eracbtet, zum Kriege gegen 
Scbweden zu rusten, urn Halland wiederzuerobern, das ibnen im 
Frieden von Bromsebro 1645 entrissen worden war. Wieder sucbte 
Cromwell abzuwiegeln durcb einen seiner protestantiscben Mabn- 
])riefe,0 obne jedocb damit mebr Eindruck zu macben als in fruberen 
Fallen. Im Mai des nacbsten Jabres erfolgte die daniscbe Kriegs- 
erklarung; die daniscbe Flotte legte sicb vor die scbwediscben 
Hafen. 

Einigkeit unter den Protestanten und eine pan-pro testantiscbe 
Union unter Englands Fubrung berbeizutubren, das war Cromwell's 
nnausgesetzte Bemiibung, und immer wieder muBte er erfabren, daB 
sie vergebbch war. Aucb der weniger ebrgeizige Plan, unter den 
protestantiscben Einzelbekenntnissen zu vermitteln, fand geringen 
Anklang. Der Unmut daruber bricbt in einem vertraubcben 
Schreiben an Wilbelm VI., Landgrafen von Hessen,^) durcb: er 
l)oklagt darin tief die vergeblicben jabrelangen Anstrengungen,' die 
ei- durcb seinen Agenten Durie^) gemacbt babe, um Frieden zwiscben 
(ien Reformierten und Lutberanern Deutscblands zu stande zu bringen. 

Danzig. Eine Episode des scbwediscb-polniscben Krieges er- 
weckte des Protektors voriibergebendes Interesse fur die Stadt 
Danzig. Diese war — zu seinem Bedauern — der Krone Polen 
treu geblieben und liatte sicb mit niederlandiscber Hulfe der 
Scliweden erwebrt. Dabei ereignete es sicb, daB der scbwediscbe 
I'eldmarscball und Stattbalter von Bremen und Verden, Graf 
V. Konigsmark, im Oktober 1656 auf der I'berfabrt von Wism^ar 
iiacli Pillau auf die Danziger Rbede verscblagen wurde und durcb 
inen verrateriscben I'berfall in die Gewalt der Danziger geriet. 
Man wies ibm einen standesgemaBen Aufentbalt in Weicbselmunde 
an. und der Rat trug dem Kriegsprasidenten auf, ibm ,,mit aller- 
liand Caressen, aucb dann und wann mit Visiten zu l)egegnen." 
Sie bebiolten ibii aber bis zum FriedensscbluB in Gewabrsam, trotz 
mancber vorteilbaften Anerbietungen. Aucb Cromwell bemiibte 
>^ich deswegen umsonst.*) 

») M. V. 290, XC^VI, an Diinemark, Dez., 1656. 2) m. V. 291, XCVII, 
Miirz, 1656-57. Wilholm VI. war der Sohn der hochverdienten Landgrafi'n Amalie' 
i:iisabeth, von deren Standhaftigkeit Schiller ein schones Beispiel erzahlt. 3) (jber 
'liesen merkwiirdigen Apostel der protestantiscben Einbeit s. Diet, of Nat. Biogr. 
f'l den 60jrer Jabren scblug er voriibergebend sein Hauptquartier in Cassel auf. 
"'T Landgraf war ibm sebr gewogen. *) M. V. 292, XCIX, April, 1657. Loscbin, 
(•tsehichte Danzigft (1822), I. 340. 



(' 



— 38 — 



Der erste diinische Krieg. Karl Gustav's Lage auf dem 
polnischen Kriegsschauplatz hatte sich immer schwieriger gestaltet. 
sodaS er sich seinem Verblindeten gegeniiber zu einem hochst 
wichtigen Zugestandnis bequemen mufite, dem Vertrag von Labiaii. 
20. Nov. 1656, durch den er ihm die Souveranitat tiber PreuBen 
und Ermeland gewahrte. Die danische Kriegserklarung rief ilm 
endlich nach dem Norden zuilick. 

Er fiihlte sich des Sieges dort so sicher. daS er noch vor 
seiner Abreise dem GroBen Kiirfiirsten einen groSartigen Plan vor- 
legte, der ihn noch weiterhin an ihn fesseln sollte. Mit Hiilfo 
CromwelFs hoft'te er eine schwedisch-englisch-franzosisch-hoUandisch- 
portugiesische Allianz zu stande zu bringen, die das Hans Habsburg 
in Spanien wie in (isterreich demiitigen, dessen Macht brechen. 
ihm die Kaiserkrone entreifien sollte. Dazu mufiten die protestaii- 
tischen Fiirsten Deutsclilands mithelfen, vor allem der machtigste 
von ihnen. der Brandenburger. Das war ganz ein Plan nach dem 
Sinne CromwelFs. Aber der Kurfiirst lieS sich auf so gewagte 
Abenteuer nicht ein. Den Polen gegeniiber von seinem schwedischeii 
Verblindeten im Stich gelassen, schwenkte er von ihm ah, machtc 
seinen Frieden mit Polen^ und erkaufte von ihm, im Vertrage von 
Wehlau, 19. September, 1657.') uni den Preis einer Allianz gegen 
Schweden, gewisseGebietserweiterungenund die preuSische Souveranitat. 

Karl Gustav hatte den Diinen gegeniiber leichtes Spiel. Sie 
wichen tiberall zuriick und raumten. mit Ausnahme einigor 
Festungen, die gauze jiitische Halbinsel. Die Nachricht von dieseti 
Erfolgen, welche am 13. August 1657 in London eintraf,-) veran- 
laBte Cromwell zur Abordnung von Gesandten an die nordischen 
Hcife, um dem Unheil wenn moglich Einhalt zu thun. Wilham 
Jephson, Generalmajor und Parlamentsmitglied, wurde als auBer- 
ordentHcher Gesandter an Schweden, Meadows in gleicher Eigen- 
schaft an Danemark abgeschickt. Der erstere erhielt auSer seinem 
Beglaubigungsschreiben an Karl Gustav noch 5 Empfehlungs- 
schreiben an die Staaten, deren Grenzen er voraussichtUch zu 
bertihren hatte : Bremen, Hamburg, Holstein, Liibeck und 
Brandenburg.') Meadows wurde bei dem Hamburger Rat beglaubigt. ) 

*) crganzt durch den Bromberger Vertrag, November 6, 1657. ') Masson. 
V. 313, spricht davon, daB die danische Kriegserklarung an diesem Tage bekaiint 
wurde. Diese war jedoeh l)ereits im Mai d. J. erschienen. S. Philippson, Dei- 
Grct^e Kurfiirst, I. 264. ») M. V. 370-71, CI - C VI., August, 1657. Bel 
Masson ist auch hier der Graf von Oldenburg mit dem Herzog von Holstein 
verweehselt. ^) M. V. 371, C\1I, Aug., 1667. 



— 39 — 



Der Brief an den Kurfursten ist in besonders schmeichelhaften 
Ausdriicken abgefaSt. Ein zweiter ausfuhrlicherer Brief fiir den- 
selben, welcher den ersten an Interesse bei weitem iiberbietet, 
wurde Jephson noch nachgeschickt. ^) 

Der Grofse Kurfiirst. Der Protektor hatte dem Kurfursten 
inifanglich nicht ohne Grund miStrauisch gegeniibergestanden ; denn 
(lieser war mit den Stuarts durch seine oranische Heirat verwandt 
und hatte sich der verbannten Familie so viel er konnte ange- 
iiommen. Aber die Staatsraison tiberwog bei beiden alle andeni 
Rucksichten. Seit dem 20./30. Okt. 1655 unterhielt der Kurfiirst 
einen standigen Vertreter, Schlezer, an dem Hofe Cromwell's. 
Diesem geschickten Diplomaten war es nicht gelungen, England gegen- 
iiber den schwedischen Kriegsdrohungen zu einem Biindnis zu be- 
wegen ; doch hatte er durch seine Vorstellungen uber die Wichtigkeit, 
welche die ZoUfreiheit der ostpreufsischen Hafen und die Unab- 
liiingigkeit Danzigs auch fiir England haben miiBte, das Seinige zum 
Seheitern des englisch-schwedischen Biindnisses beigetragen. 

Der zweite Brief an den KurfUrsten ist deswegen so interessant, 
weil er die staatsmannischen Verdienste des Kurfursten in treffenden 
Worten wiirdigt. die nicht blofi Ausdriicke hiitischer Schmeichelei, 
sondern zugleich aufrichtiger Hochachtung zu sein sclieinen. Er 
lobt ihn wegen seiner Treue gegen den Schwedenkonig; ein Beweis 
(lafiir, daS er iiber des Kurfursten damals schon halb voUzo^ene 
Sehwenkung nicht unterrichtet war. Dies sind die beiden einzigen 
.in den grofien Kurfursten gerichteten Briefe. — 

Die noch Ubrigen dem Jahre 1657 angehorigen Briefe betreffen 
blofie diplomatische Formlichkeiten : ein Entlassungsbrief des nieder- 
landischen Gesandten zu einem Urlaub in seine Heimat.'^) und zwei 
Beglaubigungsschreiben fiir den englischen Residenten am Haag, 
George Downing, bei den Generalstaaten und bei den Provinzial- 
staaten von Holland.^) 

Der nachste Brief an Schweden^) aber leitet wieder zuriick 
/Ai dem Gang der grofien Ereignisse. Er war veranlaSt durch die 
Nachricht von dem grofien Triumph, den Karl Gustav nach seinem 
heriihmten Ubergang iiber das Eis der Belte auf danischem Gebiet 
'Trungen hatte. Die Feinde wagten keinen Widerstand mehr. Am 
27. Februar 1658 wurde der Friede zu Roeskilde unterzeichnet. 



1) M. V. 373, CXI, Sept., 1667. ^) M. V. 377, CXIV, Nov., 1657. =«) M. V. 
378, CXV u. rXYI, Dez., 1657. *) M V. 386, CXVIII, Marz 30, 1658. 



— 40 — 



— 41 — 



Danemark verlor die letzten Ptovinzen auf skandinavischem Boden 
imd verschlofi den Suiid und damit die Ostsee alien den Schweden 
mifiliebigen Nationen. Schweden stand jetzt auf der Hohe des Glttcks 
und der Macht. 

Der Schwedenkonig zeigte seinen Erfolg Cromwell in eineni 
eigenen Briefe vom 91. Februar/3. Miirz aus seinem Lager in See- 
land an. Hierauf bezugnehmend begllickwiinscht der Protektor ihii 
aufs warmste und dankt ihm auSerdem, daB er der Flirspraclie 
seines Gesandten bei der ScblieEung des Friedens ein so freundliches 
Gehor geschenkt babe. Er hofft, daS von nun an Schwedens und 
Danemarks und aller jirotestantischen Staaten vereinte Waffen den 
Feinden des protestantischen Glaubens furchtbar sein mogen. 

In diesem Sinne waren Cromweirs Gesandten in den nachsten 
Monaten iiberall tiitig. Jephson versuchte im Mai den Kurfursten 
zu einem erneuten AnschluS an Schweden zu bewegen. Der aber 
liefi sich durch die protestantischen Tone der enghschen Friedens- 
schalmei nicht betoren.*) Mit vollem Recht wies er darauf bin, 
daS der Protektor am angemessensten und nutzlichsten handoln 
wiirde, weun er sicli l>eniiihte, den Frieden zwiscben Schweden uiul 
Pol en herzustellen. 

Der zweite dinische Krieg. Zu einem Frieden kam es aber 
noch lange nicht. Heftiger als je brach der Krieg im Norden 
wieder aus. Allgemein glaubte man, der nachste Angrif! des 
„nordischen Alexander" gelte Brandenburg und Polen. Statt dessen 
warf er sich, unter schandlicher Verletzung des eben gesehlossenen 
Friedens, auf das unvorbereitete und wehrlose Danemark. Polen, 
Braudenburger, Kaiserliche, Niederlander vereinten sich nun, uni 
deni bedrangten Lande zu Hilfe zu kommen; und so wurde Karl 
Gustav bald in eine verlustreiche Verteidigung zuriickgeworfen. 

Zwei Monate bevor die neuen schwedischen Kriegsoperationen 
begannen, nahm Cromwell noch einnial Veranlassung, an seinen 
koniglichen Freund zu schreiben. In dem Brief-) lindet wic 
gewohnlich seine Sehnsueht nach einer allgemeinen protestantischen 
Liga Ausdruck; zugleich aber auch das Bedauern daruber, daO 
die Schwierigkeit seiner inneren Lage, die unaufhorlichen Kom[>lotte 
der Royalisten, ihn verhinderten, dieser Angelegenheit seine voile 
Aufinerksamkeit zu widmen. Karl Gustav naherte sich ihm noch 
einmal personlich durch einen langen Brief, datiert vom 18. August. 



aus seinem Lager vor Kopenhagen, in dem er ihm die Grtinde fiir 
seine Handlungsweise auseinandersetzt. Sein Brief erreichte Crom- 
well auf seinem Totenbett. An ihm verlor der Schwedenkonig 
seinen besten Freund. 






«) Philippsou, I. 298. ^ M. V. 395, CXXXI, Jiini, 1658. 



Rufsland. Der GroSfiirst Alexis, der Sohn des Begrunders der 
RomanofTscben Dynastie, war nach dem Tode Karls Lffeindhch 
^egen die englische RepubHk aufgetreten, hatte aber nach und nach 
freundHchere Saiten aufgezogen. Seit der Gesandtschaft des Crom- 
well'schen Agenten William Prideaux (1654) hatte der englische 
Handel iiber Archangel wieder seine friiheren Dimensionen ange- 
nommen; der Binnenhandel freilich blieb den enghschen Kaufleuten 
verboten. Das englische Handelsinteresse, wie auch die steigende 
politische Bedeutung RuSlands, die in den letzten Wirren hervor- 
•,'etreten war, veranlalite den Protektor zu einer neuen Gesandtschaft, 
welche suchen sollte, die bestehenden Verbindungen enger zu ge- 
stalten. Richard Bradshaw, der bisherige Hamburgische Resident, 
wurde zu diesem Amte ausersehen. Sein Beglaubigungsbrief V) wurde 
von Milton ausgefertigt. 

Prankreich. Am 24. Okt./3. Nov. 1655 war der so lange 
verhandelte Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Liindern 
unterzeichnet worden, durch welchen, in einem geheimen Artikel, 
Frankreich sich verpflichtete, der verbannten Koniglichen Famihe 
(mit Ausnahme der Konigin) und ibren Anhangern fiirderhin keine 
Aufenthaltserlaubnis mehr zu gewahren. Trotzdem dauerten die 
ifogenseitigen Reibungen auf dem Meere noch lange fort. Davon 
/eugen die bestandigen Reklaniationen wegen gekaperter Schiffe. 
Her erste derartige Brief-) ist deswegen von allgemeinerer Bedeutung, 
weil er auf den Jahre zuruckhegenden Ursprung des Kaperkrieges 
zwischen den Privaten der beiden Nationen, welcher indirekt den 
Ausbruch des enghsch-niederlandischen Krieges herbeifuhren half, 
oin unerwartetes Licht wirft. Im Jahre 1650 batten mehrere englische 
Kaufleute einen groBen Verlust dadurch erhtten, daS ihr Schiff im 
Mittelmeer von dem Admiral und Viceadmiral der franzosischen 
llotte, mitten im Frieden, fortgenommen worden war. Der Protektor 
spricht die Erwartung aus, dafi gemafi dem wahrend der Vertrags- 
V "ihandlungen gegebenen Versprechen die franzosische Regierung den 
><'haden ersetzen werde. Es war also auf franzosischer Seite die 

«) M. V. 292, C, April, 1H57. •^) M. V. 244, LXVI, Dez , 1665. 



JO 

WBii- ^^ ^m^ 



-^ 48 



Konigliche Marine beteiligt gewesen; luicl daher ist es erklarHcb, 
daB Cromwell sich fortgesetzt weigerte, Falle von Kapereien and 
Repressalien als blofie Privatstreitigkeiten anzusehen, die auf dem 
iiblichen Wege des Ausgleichs zu erledigen waren. Er verlan^e 
vielmelir Genugtuung von der franzosischen EegierungO. Und so 
folgen noch weitere Reklamationen. 

Der nachste Brief ^) beschwert sich fiber M. L'Estrades. 
Gouverneur von Diinkirchen, der im Oktober 1649, als ein von 
Karl Stuart beauftragter Kaper ein engliscbes Schiff vor der Themse- 
miindung weggenommen hatte, diesem ini Hafen von Diinkirchen 
Aufnahrae und Erlaubnis zum Verkauf seiner Beute gewahrt liabe, 
und zwar unter Nichtachtung der koniglichen Edikte (1647 — 1649), 
und andere Dekrete des koniglichen Staatsrats, welche eine derartiojc 
Begiinstigung untersagten. Der Gouverneur babe auf die bezugliche 
Reklamation der englischen Kaufleute geantwortet: er babe seinen 
Posten von dem Konige als Belohnung fiir seine Verdienste erhalten. 
und werde dafiir zu sorgen w^issen, daB er ihm etwas eintriige. 
womit er sich offentlich als Mitschuldiger an dem Raube bekannt 
babe. Der Protektor hege das Vertrauen, daB der Konig (ierechtigkeit 
iiben werde. A her das geschah nicbt. 

In derselben Angelegenheit ergebt noch ein Jahr spiiter v'm 
zweites Schreiben an den Konig, ^) der die Klage in einor scharferen 
Tonart wiederholt. ,,1/Estrades,'* so heifit es, „stolziert ungestraft in 
Paris und am Hofe herum, bereichert durch die Beute, die er a!i 
unsern Landsleuten gemacht bat'*. Der Kcinig sei es seinen Bundes- 
genossen und zugleich seiner eigenen Autoritat schuldig, die An- 
gelegenheit ins Reine zu bringen. Keinenfalls konne sie durch 
scbiedsrichterliche Behandlung erledigt werden. 

Von ahnhchen f bergriffen franzosischer Beamten, auch neueren 
Daturas, ist noch vielfach die Rede; und die mehr oder weniger 
begi'iindeten englischen Beschwerden, die teils an den Kcinig, teils 
an Mazarin, teils an den franzosischen Gesandten gerichtet sind. 
nehmen in den Jahren 1656 — 57 mehr Raum ein als die bistorisch 
bedeutenderen Dokumente. Charakteristisch sind diese Vorkommnisse 



») Diesen wie den nachsten Fall hat Gardiner, Vorrede zu Bd. II, iibersehen; 
er bezieht sich nur auf einen Fall vom Jahre 1649, welcher sich im Mittel- 
raeer ereignete (C. S. P. 1649, 11.) ^ M. V. 253, LXXV, Mai 14, 1«56; das 
Tagesdatum ist erschlossen aus dem nachsten Brief. ^) M. V. 290, XCV; nicht 
datiert; Nov. (?) 1657. Das von Masson gegebene Datum: Nov.. 1656 ist 
offenbar umichtig, da auf LXXV als auf „Maji quarto superioris anni' 
(1656) bezug genummen wird. 



,.9 ":■ 



^ 



I "I 



bei alledem. Sie zeigen, daS das freundschafthche Einvernehmen der 
beiden Regierungen nicht in alien franzosischen Volkskreisen popular war. 

Der Preis, den Cromwell fiir einen engeren Anschluss an 
Frankreich gegen Spanien forderte und von dem er nicht abging, 
war Dunkirchen, das Piratennest, von dem aus der englischen 
Schiffahrt fortwahrend der empfindlichste Schaden zugefiigt wurde 
und dessen Besitz den Englandern auch auSerdem wegen der 
gunstigen Lage verlockend erschien. Schon im Jahre 1651. als es 
noch in franzosischen Handen war, hatte er es durch diplomatische 
Verhandlungen abwecbselnd von der spanischen und der franzosischen 
Kegierung zu gewiimen gesucht. Das Projekt zerschlug sich damals, 
und die franzosenfeindhche Stromung im englischen Staatsrat war 
so stark, daS im nachsten Jahr, als eine franzosische Flotte ausHef, 
urn dem von den Si)anier belagerten Dunkirchen zu Hiilfe zu 
kommen, Blake dieselbe unterwegs iiberliel, sieben von den Kriegs- 
schiffen nach Dover scbleppte und die Proviantschiffe teils nabm, 
teils zerstorte, teils zerstreute ') So musste Dunkirchen am nachsten 
Tage kapitulieren und blieb in spanischem Besitz. 

Dunkirchen war wieder der Angelpunkt der Unterhandlungen 
im Jahre 1656. Am 8. November kam Lockhart, der enghsche 
(iesandte, dessen Beglaubigungsschreiben an Louis XIV. und an 
Mazarin-) in Milton's Briefen erhalten sind, in der Hauptsache mit 
Mazarin endlich iiberein. Englische und franzosische Truppen 
soUten die Stadt den Spaniern entreifien, und sie sollte als Preis 
des Beistandes in englischen Handen bleiben. Die Verhandlungen 
iiber die Nebenpunkte verzogerte sich noch bis zum 23. Marz 
1657, an welchem Tage das groSe Offensiv- und Defensivbtindnis 
imterzeichnet wurde. 

Der Krieg gegen Spanien wurde von beiden Verbiindeten zu 
Land und zur See gefuhrt, aber auf dem flandrischen Kriegs- 
Nchauplatz anfanglich nicht mit besonderem Nachdruck. Endhch 
^^'aren im Mai 1658 die verbiindeten Heere unter Turenne und 
Lockhart vor Diinkirchen vereinigt. Sie erfochten am 4. Juni einen 
.i(ro6en Sieg auf den Diinen iiber die spanische Entsatzarmee. Der 
konigliche Hof begab sich nach Calais, um in der Nahe der Kriegs- 
operationen zu sein. Dies benutzte Cromwell dazu, seinen Schwieger- 

1) Dies Vorgehen Blake's wurde durch die im Vorhergehenden erwahnten 
Falle gereehtfertigt. '^) M. V. 251, LXXII u. LXXIII, Apr. 9, 1656 (?). Nicht 
ni den Drucken. Hamilton, 9-10. Das Datum ist von Masson vermutungs- 
weise hinzugesetzt. 



— 44 — 



— 45 — 



sohii, Viscount Thomas Faulconbridge, zii eiiier prachtigen Gesandt- 
schaft an den^onig abzuordnen. Der Gesandte erhielt 2 BegruSuiH's- 
schreiben an den Konig*), und zwei ebensolche an den Kardinal. ') 
Der Konig erwiderte die Hoflichkeit durch eine ebenso prachtij^^c 
Gegengesandtschaft imter dem Herzog von Crequi und M. Mancini. 
dem Neffen des Kardinals. Kaum war dieselbe angekommen. so 
gelangte audi durch expressen koniglichen Boten die sehnlicli 
erwartete Nachricht nach London. daS Dtinkirchen am 14. Juni 
gefallen sei. Die Schliissel der Stadt hatte Ludwig XIV. eigen- 
h^ndig an Lockhart iibergeben. Die englische Erwiderung He6 
natiirlich nicht auf sich warten. Sie bestand wiedenmi in 4 
Dank- und Gliickwunsclischreiben *) an den Monarchen und seineii 
Minister. 

Die Einnahme von Dtinkirchen ^) war der letzte groSe Erfolsj 
der auswartigen Politik des Protektors. Am 3. September desselben 
Jahres, dem Erinnei-ungstage seiner Geburt und zugleich seiner 
glanzendsten Triumphe, beendete er sein tatenreiches Le})en. 



Den ungeheuren innern Schwierigkeiten , die selbst der groOe 
Oliver nur mit Muhe uberwaltigt hatte, wjir sein wohlmeinendoi-. 
aber schwachlicher Sohn Eichard nicht gewachsen. Die Nation win- 
der Siibelherrschaft mude und sehnte sich nach der konstitutionelleu 
Monarchic zuruck. In der Armee selber herrschten Spaltunj^en. 
Das Parlament, das Richard berief, lelmte sich gegen die Diktatur 
der Ofliziere auf. Richard wurde von den letzteren gezwungen, das 
Parlament aufzuliisen und legte, da er einsah, daB er sich bei keiiicr 
der beiden streitenden Parteien die niitige Autoritat verschaffcu 
koiinte, sein Amt nieder. Es folgte eine kurze Periode der Anarchic 
wiihrend welcher das Rumpfparlament von der Militarpartei wietler 
einberufen und kurz darauf wieder aufgelost wurde. Diesem Zustande 
machte Georg Monk, ein in Schottland kommandierender General, ein 
Ende. An der Spitze seines Heeres zog er nach London. Die imcli 
lebenden Mitgheder des alten Langen Parlaments versammelten sich 
unter seiner Agide in Westminster und gingen auseinander, nachdeni 
sie Wahlen zu einem neuen Parlament ausj'esclirieben batten. Has 



« 

1 



t) M. V. 390-91, CXXII-CXXV, Knde Mai, 1B58. xMasson veimutet, 
daft von den 4 Briefen nur 2 wirklidi tibgeliefert worden seien. *) M. V. 392-94. 
CXXVn-CXXX, Juni, 1658. Die beiden letzten Briefe fehlen in den Dmck.Mi 
Hamilton, 7-8. ^} Diinkircben blieb nicht lange in englisr-hem Besitz. Im 
J. 1662 wurde es von Karl II. an i'rankreich verkauft. 



neue Parlament, me ehedem aus beiden Hausern der Lords und der 
(iemeinen zusammengesetzt, beriel* Karl Stuart als Konig Karl II. 
zuruck. Damit hatte die puritanische Revolution ihr Ende erreicht. 

IV. Periode: Kichard Cromwell's Protektorat, September 3, 1658 
bis Mai 25, 1659; die A n archie, — Februar 21, 165D— 60; 
Monk's Diktatur. 

17 Briefe (CXXXIII>-CXLIX): September 5, 1658 -Mai 15 
1651). ' 

Kicliaid Cromwell und sein Staatsrat waren gewillt, die fran- 
zusen- und schwedenfreundliche l»olitik seines Vaters fortzusetzen. 
Kr spricht dies in den Briefen aus, in welchen er den befreundeten 
K(inigen ') und Mazarin seinen Amtsantritt anzeigt, und an den 
bisherigen Vertragen festzuhalten verspricht. 

In der Tat richtete der Schwedenkonig gerade in dieser Zeit 
auf England alle seine Hoffnungen. Denn die Ti^uppen der ver- 
biindeten Bran den burger, Polen und Osterreicher batten uberall 
(lie schwedische Macht zum Weichen gebracht, und eine holliindische 
FJotte schickte sich an, dem bedrangten Kopenhagen zu Hulfe zu 
kummen. Richard entspracli der von ihm gehegten Erwartung. 
hi zwei weiteren Briefen, '') von denen der erste zugleich als Ant- 
wort auf Karl Gustav's Kondolenzschreiben dient, teilt er ihm mit, 
dafi er eine Flotte nach der Ostsee beordert babe, und verweist 
ihn bezuglicli des Weiteren auf den Agenten Philip Meadows, der 
noch am schwedischen Hofe weilte. In dem zweiten Briefe wird 
em tuchtiger* Admiral, Sir Geo. Ayscough, eingefuhrt, der dem 
Konig seme Dienste zur Verfugung stellen soil. Die versprochene 
Hotte bheb jedoch, von widrigen Winden zuruckgehalten, vorlautig 
uiitiitig; und auch Ayscough kam erst anflings nachsten Jahres in 
flor Ostsee an. 

Inzwischen hatte die hollandische Flotte unter Opdam die 
schwedische in einer heifien Schlacht im Sunde geschlagen. Branden- 
i>iirger und Osterreicher batten durch einen kuhnen Handstreich die 
Iiisel Alsen genommen. Schon plante man Truppen auf hollandischen 
N iiiffen nach Seeland uberzusetzen, und die schwedische Belagerungs- 
Hnuee vor Kopenhagen zur Entscheidungsschlacht zu zwingen. Da 
^'^^ ^^^^"^ """^ England ein, jenes durch Geldsendungen, 

M. V. 570-71, CXXXIII, an Ludwig XIV, Sept. 5, 1658, CXXXIV 
an Mazarin, Sept. [5], 1658, CXXXV, an Karl Gustav, Okt , 1658 ^) M v' 
^'I 72, CXXXVI, Okt. 13, 1658 u. CXXXVII, Okt. (13)? 1658. 



_ 46 — 



47 — 






u 



dieses durcli Absenduug einer ausehnlichen Flotte. Karl Gustav 
war gerettet ; demi die Hollander wollteii es keinonfalls uiit der 
machtigen Schwesterrepublik verderben, mid verweigerten ihre weitere 
Mitwirkmig. Am 16. April 1659 erschieii eiidlich die erselmte 
englische Flotte unter Admiral Montague bei Helsingor. Damit 
war alles entschieden. Das Meer gehorte wieder dem Schweden- 
konige, der mit einem Scblage Herr der Ereignisse geworden war. 
Er bot dem Protektor das Herzogtum Bremen, ganz Jutland, sowie 
die Zollfreiheit im 8unde an, wenn England ihm zur Eroberung des 
iibrigen Danemark und Norwegen beisteben wolle. 

Zu einer Annabme dieses Vorsclilags, war freiliclr wenig 
Aussicht bei der poHtisclien und tinanziellen Verwirrung, die in 
England eingetreten war. Richard dankte am 25. Mai ab. Kurz 
zuvor hatte er sich noch mit Frankreich vereinigt, um einen Frieden 
zwischen Schweden und Danemark zu Gunsten des ersteren zu 
stande zu bringen. Aber nicbt England war es, unter dessen Aus- 
picien ein Jabr spater der Friede zu Oliva geschlossen ward, sondern 
Frankreich; — Frankreich, das mit Englands Htilfe zur Vor- 
herrschaft in Europa gelangt war. 

Das englisch-franzosische Bundnis war am -28. Marz 1658 auf 
ein Jahr erneuert worden; ob es zum zweitenmale erneuert werdeu 
wiirde, erschien den Staatsmannern beider Lander zweifelhaft. Der 
Friede mit Spanien stand vor der Tur. Den enghschen Machthabern 
war nichts an auswartigen Verwickelungen gelegen ; sie batten genug 
mit den heimischen zu tun und waren Dunkirchen gern auf anstandige 
Weise an Frankreich oder Spanien wieder losgeworden. Unter diesen 
Umstanden beruhrt es fast komisch, daS Richard Cromwell nach 
dem Muster seines grofien Vaters die Rolle eines Protektors der 
auswartigen Protestanten spielen wollte. Nicht ohne Betrubnis, so 
schreibt er am 18. Februar 1658-59 an Ludwig XIV,') babe er 
vernommen, dafi in einigen protestantischen Kirchen in der Provence 
der Gottesdienst durch einen Fanatiker auf unwurdige Weise unter. 
brochen worden sei; daS die Obrigkeiten von Grenoble diese Aus- 
schreitungen zwar scharf verurteilt batten, von der Geisthchkeit aber 
ein Befehl des Konigs ausgewirkt worden sei, die Sache vor dem 
KonigHchen Staatsrat zu Paris zur Entscheidung zu bringen. Unter- 
dessen seien die Kirchen, besonders die von Aix. fiir den Gottesdienst 
geschlossen worden. Er ersuche Seine Majestat daher dnngend, 



diese SchheSung aufzuheben und gegen den Storer des Gottesdienstes 
nach dem Urteil der Richter von Grenoble zu verfahren. ~ Welche 
Aufhahme diese Einmischung gefunden hat, wissen wir nicht; irgend- 
welchen Erfolg kann sie schwerHch gehabt haben. 



Die beiden letzten Briefe, welche Milton als lateinischer Sekretar 
zu schreiben hatte, ergingen im Auftrage des am 7. Mai wieder- 
emgesetzten Rumpf-Parlaments an die Konige von Schweden und 
Danemark.') Sie enthalten die Anzeige des geschehenen Regierungs- 
wechsels und driicken den Wunsch aus. den Frieden zwischen den 
beiden Machten zu vermitteln. Unterzeichnet sind die beiden Doku- 
mente von „Winiam Lenthall, Speaker of the Pariiament of the 
Commonwealth of England." Derselbe Sprecher desselben Pariaments 
hatte auch Milton's ersten Brief an Hamburg unterzeichnet. 



k 



') M. V 575, CXL. 



AuSer den im Vorstehenden abgehandelten 109 Staatsbriefen 
sind noch 41 Briefe von untergeordneter Bedeutung vorhanden, 
welche zum tiberwiegenden Teile die Angelegenheiten engHscher im 
Auslande verkehrender Privatpersonen betreffen. Sie sind an folgende 
Stellen gerichtef): 

1. Den Grofiherzog von Toskana: 109, 117, 119, 126 
144,^) 145.3) ' 

2. Ludwig XIV: 67,r) 83, 90. 
Mazarin: 84, 141, 142. 

Bordeaux, franzos. Gesaudten in London: 108, 112. 

3. Portugal: 80, 93, 132, 143, 146.^) 

4. Die Generalstaaten : 71, 76, 77. 
Die Staaten von Holland: 89. 

Die Staaten von Westfriesland : 139. 

5. Schweden: 79,^) 92, 138, 147."^) 

6. Venedig: 40, 65, 113. 

7. Den Erzherzog Leopold von Osterreich, Gouveriieur der 
Spanischen Niederlande: 7, 53. 

8. Cardenas, spanischen Gesandten in London: 39, 44. 

9. Danemark: 70. 

') M. V. 595, CXLVIII u. CXLIX, Mai 15, 1659. ^') Die arabischen 
Ziflern entsprechen den romischen bei Masson. ») M. V. 589. Nicht in den 
Drucken. Hamilton, 12-14. *) M. V. 244, Jan., 1655-56. Nicht in den 
Drucken. Hamilton, 4. *) M. V. 269. Nicht in den Drucken. Hamilton, 6-7. 



— 48 — 

10. Savoyen: 1 10. 

11. Dm Herzog von Kurland: 98. 

12. Hambiu*g: 94. 

15. Den Marquis von Leida, spani«chen Gouverneur von 

IHinkirchen: 43. 
14. An Konige und Frenide Staaten: 78.*) 
Die Mehrzabl dieser Briete sind Reklaniationen besclilagnahmter 
Oder beschadigter Scbitte und Scbiffsguter; bei einigen handelt es 
akh um privatrecbtliclie Ansprucbe anderer Art. Unter diesen 
letzteren ist der Brief an Hamburg (94; in Sadien van Eizen 
V. James und Patrick Hays) bemerkenswert, in welcbem gegeu 
eine Berufung an das Reicbskammergericbt zu Speier in drohendeni 
Tone protestiert wird. Zuweilen nimmt sich der Protektor audi 
der Untertanen fremder Staaten an, die sicli in ilirer Not an ihn 
gewendet haben. So verwendet er sidi bei dem Konig von 
8 eh wed en (92) fur einen sdiwedisdien Obersten Sir William 
Vavasour, welcher riickstandigen Sold zu fordern liat. Er tritt bei 
dem Dogen von Venedig dafur ein, datj eiuer seiner Untertanen. 
Thomas Galilei, der sidi ini Kriege ausgezeichnet hatte, aus tilrkisdier 
Sklaverei befreit werde. Er stdlt einem deutsdien Doktor der 
Kedite, Peter Georg Roniswinckel, der fruher ein liohes geistliches 
Amt in Koln bekleidet hatte, dann aber zum Protestantismus iiber- 
getreten und zum Rat der verwitweten Herzogin von Pfalz-Simmern 
ernannt worden war, einen PaS aus an Konige und Fremde 
Staaten (78) und an den Konig von Schweden insbesondere (79). 
Einmal sieht er sich veranla&t, den GroSherzog von Toskana 
(109 u. 117) um Arretierung eines englischen Untertanen anzugehen. 
der den Pascha von Memphis um eine Ladung von Reis, Zucker 
und Kaft'ee betrogen hatte; sobald die Forderung des Turken 
befriedigt sei, solle der Engliinder freigdassen werden, ..damit der 
Tlirke sich nidit etwa dnbilde, Wir nahmen mehr Rucksicht aut 
ihn, als auf unsere eigenen Burger." Ein Sdirdben des Staatsrats 
im Auftrage des Parlaments an Cardenas (39) vom Januar 1653^) 
besdiwert sich daruber, dafi der Gesandte (ebenso wie andere 
Gesandte) englischen Untertanen erlaube, in seinem Hause die Messe 
anzuhoren. Ein letzter Brief (126) vom Mai 1658, an den GroB- 
herzog von Toskana, hat eine besondere pohtische Bedeutung. 
Der Gouverneur von Livorno war, ganz eutgegen dem sonstigen 

'i)ll7v^ 269. Nicht in den Drucken. Hamilton, 5-6. '^) C. S. P. 1652-63. 
78, 79, 84, 87. 



— 49 — 

freundlichen ^erhnli^^u T.voi 

KauHeutP in r ^ ! ^'ugh.dye Flotte und die enKliseho.i 

ivaufleute in Livorno aufgetreten. Der Protel-tnr f a '"'"'"-"'" 
Bestrafung des Uouverneurs und scMeSt 1 w ''"^"' 

den Gro6her.og selber Dies \.t T """'' ^^'"^^^S ftir 

Be.iehu„gen der beMen r . "''"''^' ^^'^"' '" '!«'» ^ie 

eriuliren. " ^''"''' """^ ^orUbergehende Trubun 



\ 



ft 



Schlufs. 

-f^ und l^rbabenbeit\etrtS:";rSJ"^^^^^^^^^^^^ 
erkorner Anwalf rl^v u- t i "^ "^' ^'" ^^^^s- und gottes- 

Nationvor Zntte r:;"\":-' '■'^'^^'■«-" ^'-•^-^ -"- 
]• T, J^iuirerstuhl ailer JNationen 711 ^pin q^ i i • ^ 

die Erwartunrr crp^f,'pom. ^ • . ''"^" ^^ '*^"^- «So hoch 1st 

"ctituijj^ gesiiegen. und so weif hnf ^inh ri;« n^ -i , 

Gegenstand verbreitet" i 7. ^ leilnahme an dem 

i" die Mitte e ne Ir . ''" '"™'" "'^'' "' '^'"™ Gerichtsbof 

meinen Worten lansrhf« „„ i . ' " °^ S""*= '^"''opa 

als obieb ..irj^^^^^^^^^^^^ 

diese zweite zu richten im He ffel' " r "" """ "'*^'^'"'"'" 

Masse alJer Vereine , n V^ , "" '''« ^"^ammengestromte 

Stadte, Nado„; L, ' ^^-''-f " der wurdig.sten Manner, 

oben i; den te 'h' b: Vt 7 t''"" ""''"^ '"^^^"^^ ^'^'^ 
Gefilde und Re-nonL i 1 1 ^Z^^'''^'-"^'' ^"* ««^ weitgestreckten 
gedrangten. XZnte M '''^''"''\^ ''^ ""^-''Iten, dicht- 

Ein t2 • f "" ''"'■ Sy^'P^ithie verraten." 

i-m led dieses stolzen Selbstgefiibls Hbertrn^ .;,.i, r- 

auf seine kleinere Aiif<.al.« a- * 7 """""g i>i<Ji gewits audi 

Nicht wenige .", i ihf f h T .'''""^' '^'^ ^''''^'' "^ ^tate. 
gefUhrten wa ! n ' a ""' ''''' "' '^'"' ^'''''^ ^''^^^^ -"f" 

konnen. V elf waren blot T , ''"'"' «""* '''"'^" •^'■'^'^'^- 

andenveitig ver^: tef Vo.C ^VZlt^'f'''''''^''- 
ffeordnetPn OKi;. T u '^^^"- ^^^^ Bedeutung dieser unter- 

Aber ir dl re ^*"f 7^"^' '" ^^^^- Wenste er sie erftiUte. 
Aoer die dem Gegenstande nacli wichtigeren Briefe tra^en in. 
Gedankenmbalt wie im Ausdrucic durehaus "das Gepr^ ^1:: 

R. V. d Holetentore. 1903. 




iit„^ 



/ 






- 50 — 



<M*i^l'^s ail- Ki-i-iiail .seiner re|iiiMikjn,iM-lii.|i niitl i.role.Nl;mli>rl,ei. 
<irNiinmii- Hid- war Milb.n mvhi das blof.ie Sprarl.n.hr der chersten 
'M'walten; liicT war iiml fiililte sicli der Didder uiid Deukcr vrdlitr 
»"in.'.s Siiuies und auf -leidieni I'iedestal stidiciid mit dem Mainie 
atT Tat. Trefteiid .agt Massoii : Wenu man :\[iltoir.s Depc.clien 
id)er solclie (i(-onstand(' wic die VtTt(»l-un-(.„ der Waldeiiser und 
«l«'n Han einer luoU^siantis.hen I.i-a liesl. sc weiii man kuum, we,- 
von beiden sprieht, der Sekre(:ir oder der llerrselier. Cnmiwell 
v.Tselimilzt mit Milton, und .AIilt(m i.st der Iieredte, lateiniseh 
>]»re(liende Cromwell. 

rnmittelhar vor der \Viederein.se(/un«; des Koni«,4ums wurde 
Milton .seines Amtes entli(,l)en. das er in den letzten Mimaten nur 
dem Xa^nen nuch bekleidet hatte. His zum letzten Augenldieke 
lintte er durch Flug.seliriften fiir dw. Kilialtuno- der Ilepulilik -ekiimptt. 
Xacli dem Antritt der neuen l?e-ieinn- aher mufUe er nocli froli 
-in. dati er dem all^emeinen ISehieksal der JvonJHsmcirder." dem 
Sehat'ott, durcli ein liall.es Wunder ent-Ing. Seine politisehen und 
ivli-iosen Ideale la-en im Staubc. Die bosen liewalten. j^e-en die 
er so lan-e gestritten liatte. triumpliierten. Ks kamen die Ta-ie 
..der Kneclitscliaft obne 'J'reue, der Sinnenlust ohne Liebe. ib-r 
/wcrotalente und Riesenlaster. .b.s I'aradies der kalten Herzen un<l 
niiii'U Seeien, .las -oldene /eitaller des Feiiilin-s. des Krommlers 
nn.i des 8klaven. Der Koni- kroeli vor seinem Kivalen. uni sein 
\olk trefen zu kcinnen. er wurde Frankreielis VieekrM.i- und steekte 
mil M-lbst-etallioer Kbilosiukeit .lessen erniedri-enden ^ebimi)!' und 

'">'•'« i"<'ln- ernfedri-endes (udd in die Tasebe Die CaresM-n 

von liublerimien. ilie Spal.je von Possenreif.jern re;reJten die Politik 
des :Staales. . . . Die (h-undsiitze der Freibeit waren das (iesp/itt 
jedes orins.'uden liofliuKs. das Anatbema lAfaranatba jedes speiebel- 
li'ckerisciien Deebanten . . .-^ (iMaeaubiv). 

Wiibreml leile und sittenlose Skribenten die IJtteratur be- 
berrsebten. war Milton's beredte Siimme, die so oft lur .b'e iioebsten 
<iiitcr der Menscbbeit von b.d.er Warte ersc bidlen war. zum 
Srbweigen verurteilt. Fs war nielit melir seines Amtes, der Vi-r- 
mittler des Verkebrs zwiscben den obersten lleborden seines Landes 
und den (iesandten, Fiirsten und Kfinigen Kuropas zu sein. Fr 
stand im Scbatten : unbeacbtet. ja verspottet, vereinsamt. verarmt. 
kranklidi und — blind. Aber tralaueb kein trdstlieber Sonnenstrabl 
sein erluscbeiies Auge, mutUe aueb. was von dem Feben und Treiben 
iler AuQemvelt durdi {;es[.raebe an sein Obr dran-, ibn vidtadi 



— 51 — 

* 

mit Wi,K.nMll..„ u„.l Al,.d,c„ eMullen; .so l„., , ,, .,,..1, ...,..,,1,. 

." .I.c...r Uaun,..,, Zei. in Milton'. Innenn von >Iinnnc.ls,.-,K 

M gen una ... khngen, c. be.ann in il.n, l.dl .. l-.u-htcn von ,o • 

ird..sch,-iu Laht. A\eltentruckt lebte er 

un<l w..|,t(> in Godanken, die von s,.]),,.,- 

Si<!li liiKtcn /,u ,ler Versi- Hainioni..; 

Wie in der NacJtt der wa die Vof;..| sin-t 

Und tief in schattifc'stem Gestriiu.-I, v.-rlmrgcn 

Anstininit sein lieinilidi Lied- - 
.".a sein I)i..la..r,..ist d.T nnter den J'll'i.l.ten d-s AnXes nnd ini 

jct/ die Ullkraft se.ner Adlensd.wingen xun, kiiln.sien J.-Jn-e ,|,.„ 
jc d.e Phantasie eine.s Sterblid.en unternonunen: es ent.s.:,d' s..in 
Veilornes I'aradies. 



Mftv22 1Q?7 




< 



\lt/' 








\ 



■t 



.•mt 



■1 :'l 



. 




^^^^^^^^^H*' 



i 


. •^...'■■■•:.x 


1 


m ' 



MM.^'tl.-<^V.MIMMi>a.t^